HomeNewsChronikBerlin: Queerer Sänger bei Grindr-Date überfallen und ausgeraubt

Berlin: Queerer Sänger bei Grindr-Date überfallen und ausgeraubt

Der queere Sänger Leopold ist Opfer eines schweren Überfalls in seiner Berliner Wohnung geworden. Drei Männer sollen ihn nach einem über Grindr vereinbarten Treffen über Stunden festgehalten, bedroht und beraubt haben.

Für den queeren Sänger Leopold endete ein erhofftes Grindr-Date in einem echten Alptraum. Er wurde überfallen, festgehalten, misshandelt und ausgeraubt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video schilderte der Musiker den Vorfall nun ausführlich. Demnach ereignete sich der Überfall am 19. Mai 2026 in seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Wedding.

Drei Männer sollen den Sänger stundenlang festgehalten haben

Leopold hatte über die Dating-Plattform Grindr ein Treffen mit einem Mann vereinbart. Kurz darauf verschafften sich zunächst zwei Männer Zugang zu seiner Wohnung. Später soll ein dritter Täter hinzugekommen sein. Der Sänger berichtet, dass die Männer ihn mehr als drei Stunden lang festgehalten hätten.

„Einer der beiden hat mir relativ zu Beginn ein paar Mal auf den Kopf geschlagen, sodass ich eingeschüchtert war“, erinnert sich Leopold. Die Männer wollten Bargeld haben. Da er nur wenig davon zu Hause hatte, versuchten die Täter, Bargeld abzuheben und Überweisungen über sein Online-Banking vorzunehmen.

Täter sollen Wohnung durchsucht und Opfer beleidigt haben

Der Sänger berichtete weiter, dass die Männer seine gesamte Wohnung durchsucht hätten. „Sie haben alles durchsucht und durchwühlt“, erklärte er. Zudem hätten die Täter mehrere Videos von ihm in Unterwäsche aufgenommen und ihn schwulenfeindlich beleidigt.

„Sie haben mir zeitweise meinen Schlüssel, meine Bankkarten und mein Handy abgenommen. So hatten sie Zugang zu meinem Handy und allen Apps, inklusive aller Social-Media-Plattformen“, schrieb Leopold in seinem Statement. Ihm sei mehrfach Gewalt angedroht worden. Körperlich schwer verletzt worden sei er jedoch nicht.

Einer der Täter habe sogar versucht, ihn zum Konsum von vermeintlichem Kokain zu zwingen. „Dies konnte ich abwenden und musste es nicht einnehmen“, so der Sänger.

Polizei ermittelt nach Anzeige

Bevor die Täter die Wohnung verließen, gaben sie ihm das Handy und die Schlüssel zurück. Eine Bankkarte behielten sie jedoch. Danach hat Leopold die Polizei verständigt und Anzeige erstattet. Eine Sprecherin der Berliner Polizei bestätigte dem Tagesspiegel, dass der Vorfall angezeigt wurde. Weitere Details nannte sie nicht und verwies auf die Staatsanwaltschaft.

In seinem Statement beschreibt der Musiker die psychischen Folgen des Vorfalls sehr deutlich. „Ich habe mich vollkommen beschämt, erniedrigt, hilflos und ausgenutzt gefühlt“, erklärte er. Gleichzeitig betonte er, dass er die Tat öffentlich machen wolle, um andere Menschen zu warnen. „Ich habe nichts falsch gemacht und ich muss mich nicht dafür schämen, was mir passiert ist.“

Leopold fügte hinzu, dass er familiäre Unterstützung habe und sich in psychologischer Behandlung befinde. Er hoffe, dass die Täter gefunden würden, „damit sie nicht noch anderen Schaden zufügen können“.

Maneo meldet hohe Zahl queerfeindlicher Vorfälle

Die Berliner Opferberatungsstelle Maneo hat im vergangenen Jahr 723 explizit queerfeindliche Vorfälle registriert. Dies geht aus dem Anfang Mai veröffentlichten Maneo-Report 2025 hervor. Insgesamt dokumentierte die Einrichtung 1.014 neue Meldungen – so viele wie noch nie zuvor.

Laut der Beratungsstelle gibt es weiterhin ein hohes Dunkelfeld. Viele Betroffene würden Übergriffe weder bei der Polizei anzeigen noch Beratungsangebote nutzen. Als Gründe wurden unter anderem schlechte Erfahrungen mit Diskriminierung und mangelndes Vertrauen in Behörden genannt.

Elf der dokumentierten Fälle standen im Zusammenhang mit Datingplattformen. Dabei sollen Täter ihre Opfer über Apps kontaktiert, intime Informationen gesammelt oder Treffen organisiert haben, die später in Raubüberfällen und Gewalttaten endeten.

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