Am Freitag wurden mehrere Angeklagte aus dem Umfeld der sogenannten „Pedo-Hunter“-Szene am Landesgericht Salzburg wegen schwerer Gewalttaten schuldig gesprochen. Drei junge Männer im Alter von 21 bis 24 Jahren sowie eine 25-jährige Frau erhielten Haftstrafen zwischen neuneinhalb und zwölf Jahren. Ein weiterer Angeklagter wurde aufgrund seiner untergeordneten Rolle zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.
Queerfeindlichkeit spielte bei den Ermittlungen eine Rolle
Die Staatsanwaltschaft ordnete die Taten der „Pedo-Hunter“-Szene zu, die unter dem Vorwand, auf angebliche Pädophile zu jagen, agiert. Dabei wurden häufig schwule und bisexuelle Männer gezielt angesprochen, fälschlich des Kindesmissbrauchs beschuldigt und anschließend öffentlich gedemütigt oder körperlich misshandelt.
Die Geschworenen befanden vier der fünf Angeklagten auch des versuchten Mordes für schuldig. Der Schuldspruch erfolgte teils einstimmig, teils mehrheitlich. Der 24-jährige Hauptangeklagte, ein gebürtiger Deutscher, wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Ein 21-jähriger Mitangeklagter erhielt elf Jahre und zwei Monate Haft. Eine 25-jährige Frau sowie ein weiterer 22-jähriger Angeklagter wurden jeweils zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.
Opfer in Hinterhalt gelockt
Laut der Staatsanwaltschaft hatten die Angeklagten im Oktober 2024 zwei Männer nach Lend im Pinzgau gelockt. Dabei gaben sie sich über ein Fake-Profil auf einer Datingplattform als 14-jähriges Mädchen aus. Die spätere Mitangeklagte übernahm die Rolle des Lockvogels und traf die Opfer zunächst allein.
Nach einer kurzen Begrüßung erschienen die vermummten Täter und griffen die Männer an. Beim ersten Vorfall in der Nacht auf den 27. Oktober wurde ein 43-Jähriger geschlagen und getreten. Er erlitt dabei zahlreiche Prellungen, Hämatome, Rissquetschwunden sowie einen Zahnbruch.
Schwere Verletzungen beim zweiten Angriff
Vier Tage später kam es zu einem zweiten Übergriff. Dabei wurde das 56-jährige Opfer laut Anklage deutlich schwerer verletzt. Die Täter schlugen und traten wiederholt gegen Körper und Kopf des Mannes. Zusätzlich kam ein Baseballschläger zum Einsatz. Der Mann erlitt Rippen- und Gesichtsbrüche sowie eine Gehirnblutung.
Die Staatsanwaltschaft wertete insbesondere diesen Angriff als gemeinschaftlichen Mordversuch. Durch die massiven Attacken gegen Kopf und Gesicht hätten die Angeklagten den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen.
Videos der Taten veröffentlicht
„Die Übergriffe werden ‚Hunts‘ genannt. Die Gruppen sind österreichweit und teilweise international vernetzt“, erklärte die Staatsanwältin im Prozess. Die Angriffe werden häufig gefilmt und anschließend in internen Gruppen sowie auf einschlägigen Internetforen veröffentlicht.
Auch im vorliegenden Fall wurden die Übergriffe aufgezeichnet. Die 25-jährige Angeklagte filmte die Taten mit ihrem Mobiltelefon. Laut Anklage lud der Hauptangeklagte die Videos anschließend in entsprechenden Online-Foren hoch.
Angeklagte zeigten sich teilweise geständig
Die Angeklagten bekannten sich zu großen Teilen schuldig. Den Vorwurf des versuchten Mordes wiesen sie jedoch zurück. Der Hauptangeklagte sagte vor Gericht aus: „Ich bin in den sozialen Medien auf ‚Pedo-Hunting‘ gestoßen. Ich dachte, das ist etwas Gutes.“
Rückblickend beurteile er sein Verhalten jedoch anders. „Ich weiß, dass es scheiße war, was ich gemacht habe“, sagte der 24-Jährige. Mehrere Angeklagte entschuldigten sich bei den Opfern und verwiesen auf bereits geleistete Entschädigungszahlungen.
Bundesweite Ermittlungen gegen die Szene
Die Verurteilungen in Salzburg stehen im Zusammenhang mit umfassenden Ermittlungen gegen die „Pedo-Hunter“-Szene. Im März 2025 führte die Polizei unter der Leitung des Landeskriminalamts Steiermark eine groß angelegte Aktion durch. Dabei wurden in sieben Bundesländern sowie in der Slowakei insgesamt 18 Personen festgenommen.
Laut den Ermittlern sollen Mitglieder der Szene überwiegend schwule und bisexuelle Männer fälschlicherweise der Pädophilie beschuldigt und anschließend misshandelt haben. Die im Internet veröffentlichten Videos der Übergriffe führten die Polizei schließlich auch auf die Spur der Salzburger Angeklagten.

