Vor 30 Jahren wurde am Mariahilfer Gürtel das Aids-Hilfe-Haus eröffnet. Nun wurde dort ein weiteres wichtiges Projekt vorgestellt. Das „magnus*“-Ambulatorium für sexuelle Gesundheit hat offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Die neue Walk-in-Ambulanz bietet Diagnostik, Therapie, Prävention sowie psychologische Unterstützung bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) und steht allen Menschen offen.
Sexuell übertragbare Infektionen nehmen zu
Die Eröffnung erfolgt vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen. So berichtete die europäische Gesundheitsbehörde ECDC erst im Mai, dass die gemeldeten Fälle von Gonorrhö und Syphilis im Jahr 2024 den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht haben. Mit 213.443 gemeldeten Fällen waren Chlamydien die häufigste sexuell übertragbare Infektion in Europa.
Auch in Wien zeigt sich dieser Trend. Dem Wiener Gesundheitsamt zufolge wurden 2025 knapp 2.000 Gonorrhö-Fälle registriert, was einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl der Syphilis-Fälle stieg um 24 Prozent auf rund 600 Meldungen.
„Gerade jetzt, wo uns die europäische Gesundheitsbehörde ECDC wieder deutlich gezeigt hat, dass sexuell übertragbare Infektionen in Europa massiv ansteigen, ist eine solche niederschwellige Einrichtung die perfekte Antwort darauf“, betonte Mirijam Hall, die Vorsitzende der Aids Hilfe Wien.
Zentrale Anlaufstelle unter einem Dach
Das Ambulatorium wird gemeinsam von der Aids Hilfe Wien, der Stadt Wien sowie den Krankenversicherungsträgern ÖGK, SVS und BVAEB getragen. Ziel ist es, die bisher oft verstreut angebotenen Leistungen im Bereich der sexuellen Gesundheit an einem Standort zu bündeln.
„Das ist eine Sternstunde für die sexuelle Gesundheit in diesem Land. Testen, behandeln, begleiten – aus einer Hand und ohne Hürden. Mit dem magnus* Ambulatorium für sexuelle Gesundheit machen wir Wien sicherer, gerechter und gesundheitlich besser versorgt“, freut sich Hall.
Das Zentrum wurde nach Magnus Hirschfeld benannt, einem Pionier der sexuellen Gesundheit und Aufklärung. Das mehrsprachige und barrierearme Angebot soll einen diskriminierungsfreien Zugang zur medizinischen Versorgung ermöglichen.
Medizinische Versorgung und Datenerhebung
Die medizinische Leitung übernehmen Univ.-Prof. Alexander Zoufaly und Dr. Matthias Skocic. Das Ambulatorium soll künftig rund 30.000 Kontakte pro Jahr ermöglichen und als Referenzzentrum für PrEP und PEP dienen.
Zudem wird in Wien erstmals ein statistisches Kompetenzzentrum für sexuell übertragbare Infektionen eingerichtet. „So werden wir erstmals in Österreich wirklich verlässliche Daten von STI liefern können“, ist sich Hall sicher.
Entlastung für Spitäler und bessere Versorgung
Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bezeichnete das magnus* als österreichweit einzigartiges Kompetenzzentrum. Besonders wichtig sei der niederschwellige Zugang für Menschen, die bisher nur schwer medizinische Angebote nutzen konnten.
„Das Zentrum für sexuelle Gesundheit ist für Österreich einzigartig und wird einen echten Fortschritt in der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener bringen“, sagte Hacker.
Das neue Ambulatorium soll somit nicht nur die Versorgung von Menschen mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen verbessern, sondern auch Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte entlasten.

