Wie erst jetzt bekannt wurde, sind am 22. Mai kurz vor Mitternacht im Berliner Volkspark Friedrichshain erneut schwule und bisexuelle Männer im Cruising-Gebiet rund um das Spanienkämpferdenkmal Ziel eines mutmaßlich gezielten Übergriffs geworden. Der Bereich war bereits im vergangenen Jahr mehrfach Schauplatz ähnlicher Vorfälle.
Nach Informationen des Tagesspiegel, der zuerst über den Vorfall berichtete, ging zunächst ein Notruf wegen einer verletzten Person ein. Ein 45-jähriger Mann musste mit Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei bestätigte inzwischen den Vorfall in seinen Grundzügen.
Zeugen berichten von gezielter Jagd auf Männer
Den aktuellen Ermittlungen zufolge handelt es sich um einen „von einer Gruppe Jugendlicher oder Heranwachsender organisierten Angriff auf Besucher des Cruising-Gebiets“, so die Polizei. Aufgrund der Umstände gehen die Ermittler davon aus, dass Schwulenhass das Motiv ist. Die weiteren Untersuchungen führt der Polizeiliche Staatsschutz, wie bei mutmaßlichen Hassverbrechen üblich.
Demnach hatten es etwa 15 junge Männer im Alter zwischen 16 und 22 Jahren auf die Cruiser abgesehen. Einige von ihnen sollen Taschenlampen mitgeführt haben und gezielt gegen die Männer vorgegangen sein, die sich im Bereich der Grünanlagen aufhielten.
Laut Zeugenaussagen hätten die Angreifer Männer aus Gebüschen getrieben und mehrere Personen körperlich attackiert. Als die Polizei eintraf, waren die mutmaßlichen Täter bereits verschwunden.
Mehrere Vorfälle bereits im vergangenen Jahr
Dem Jahresbericht des Berliner Anti-Gewalt-Projekts Maneo zufolge wurden im Juli und August 2025 in der Cruising-Area des Volksparks Friedrichshain mehrere Angriffe registriert. So sollen am 24. Juli Unbekannte Feuerwerkskörper auf Cruiser geworfen haben. Bereits einen Tag später wurden Männer von einer zehn- bis 15-köpfigen Gruppe bedrängt und aufgefordert, aus „ihrem Park“ zu verschwinden.
Die Berliner Polizei registrierte allein im August des vergangenen Jahres vier Angriffe in diesem Bereich. So wurde am 2. August ein Mann demnach zu Boden getreten und beraubt. Drei Tage später soll eine Gruppe von zehn bis 20 jungen Männern einen Cruiser verfolgt und bedroht haben. Die Verfolgung endete erst, als Passanten die Polizei alarmierten.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich am 11. August. Damals sollen acht bis zehn junge Männer die Ausgänge des Parks blockiert und mehrere Cruiser angegriffen haben. Sämtliche dokumentierten Taten fanden zwischen 22 Uhr und Mitternacht statt.
Der Vorfall vom 22. Mai 2026 ist laut Tagesspiegel der bislang einzige bekannte Angriff in einem Berliner Cruising-Gebiet in diesem Jahr.
Verstärkte Polizeipräsenz und Präventionsmaßnahmen
Die Berliner Polizei betont, dass die Cruising-Area im Volkspark Friedrichshain verstärkt beobachtet wird. Ein Polizeisprecher erklärte, dass zusätzliche Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören intensivere Streifengänge und Streifenfahrten in den Nachtstunden, die Schulung von Einsatzkräften und Aufklärungsarbeit zu Hasskriminalität vor Ort.
Auch Maneo führte gemeinsam mit der Polizei mehrere Informations- und Präventionsaktionen im Park durch. Dabei informierte die Organisation über ihre Angebote zur Opferhilfe.
Laut dem aktuellen Maneo-Bericht gab es im Jahr 2025 insgesamt 723 Übergriffe auf queere Menschen und Einrichtungen. Die Berliner Polizei registrierte im selben Zeitraum 587 Straftaten mit queerfeindlicher Motivation, darunter 109 Gewalttaten.
Für Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten gibt es in Berlin eigene Ansprechpartner:innen
Angehörige sexueller Minderheiten, die Opfer von Hasskriminalität geworden sind, können in der deutschen Hauptstadt unter anderem auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben.
Bei der Berliner Polizei gibt es zudem zwei Ansprechpersonen für LGBTI . Damit soll Angehörigen sexueller Minderheiten, die oft aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ein eher kritisches Verhältnis zur Polizei haben, das Erstatten einer Anzeige nach einem Übergriff erleichtert werden.

