Für Irritationen sorgte die Frankfurter Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch am Dienstagabend in der Talkrunde bei „Markus Lanz“. Thema war das Verhältnis des Islams zu Homosexualität, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Integration. Auf die Frage des Moderators, ob sich Homosexualität mit ihrem Religionsverständnis vereinbaren lasse, antwortete Hübsch zunächst ausweichend und verwies auf das Judentum und den Katholizismus.
Deutliche Ablehnung homosexueller Beziehungen
Nachdem Lanz seine Frage wiederholt hatte, wurde Hübsch deutlich: „Aus religiöser Sicht ist es für Muslime nicht gottgefällig, Homosexualität zu praktizieren.“ Zwar betonte sie, dass sie homosexuelle Menschen nicht diskriminieren wolle, machte aber auch klar, dass sie gleichgeschlechtliche Beziehungen für unerwünscht hält.
„Deswegen ist man noch kein Verfassungsfeind“, fügte die 45-Jährige hinzu. Doch dabei wird ein grundlegender Widerspruch offensichtlich: Einerseits wird Respekt gegenüber Angehörigen sexueller Minderheiten betont, andererseits wird deren Lebensweise moralisch abgewertet.
Später versuchte sie, ihre Haltung noch einmal einzufangen: „Ich bin absolut gegen jede Diskriminierung von homosexuellen Menschen. Ich würde mein Leben für sie geben. Sie können unsere Moscheen besuchen. Ich würde alles dafür tun, dass sie nicht verfolgt, belästigt oder diskriminiert werden.“
Ahmadiyya präsentiert sich liberal
Hübsch gehört der Ahmadiyya-Gemeinschaft an. Diese präsentiert sich in Deutschland häufig als friedliche und reformorientierte islamische Bewegung. Die Gemeinschaft verweist regelmäßig auf ihr Engagement für Dialog, Integration und Religionsfreiheit.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Organisation in zahlreichen gesellschaftlichen Fragen deutlich konservativ auftritt. So werden homosexuelle Menschen nur dann als vollwertige Mitglieder akzeptiert, wenn sie keine gleichgeschlechtliche Beziehung führen und auf sexuelle Kontakte verzichten. Für Betroffene bedeutet dies die faktische Ablehnung eines wesentlichen Teils ihrer Identität.
Ahmadiyya-Gemeinschaft: „Schweinefleisch macht schwul“
Die Ahmadiyya-Gemeinschaft geriet in der Vergangenheit wiederholt wegen ihrer Aussagen zur Homosexualität in die Kritik. So wurde auf der deutschen Internetseite der Bewegung beispielsweise behauptet, der Verzehr von Schweinefleisch könne homosexuell machen.
Im Jahr 2017 bezeichnete der Ahmadiyya-Imam Malik Usman Naveed Homosexuelle öffentlich als „krank“ und sprach von ihrer „Heilung“. Diese Äußerungen lösten breite Kritik aus und wurden von Wissenschaftlern sowie Menschenrechtsorganisationen scharf zurückgewiesen.
Experten warnen vor „Heilungsversuchen“
Seit Jahren betonen medizinische Fachverbände, dass Homosexualität keine Krankheit ist. Der Weltärztebund hat 2023 erneut erklärt, dass sogenannte Konversionstherapien eine Gefahr für die Gesundheit und die Menschenrechte darstellen. Solche Praktiken können Angststörungen, Depressionen und weitere psychische Belastungen verursachen.
Vor diesem Hintergrund kritisieren viele Fachleute religiöse Aussagen, die homosexuelle Beziehungen als moralisch minderwertig darstellen. Sie verweisen darauf, dass solche Botschaften gesellschaftliche Vorurteile verstärken können, selbst wenn gleichzeitig zur Toleranz aufgerufen wird.
Ahmadiyya: Außen liberal, innen erzkonservativ?
Nicht nur die Haltung zur Homosexualität sorgt für Diskussionen. Kritiker:innen wie die Soziologin und Islamkritikerin Necla Kelek werfen der Ahmadiyya-Gemeinschaft vor, nach außen ein modernes Bild zu vermitteln, während sie intern an traditionellen Geschlechterrollen und hierarchischen Strukturen festhält.
Bemängelt werden unter anderem die strikte Trennung von Männern und Frauen bei Veranstaltungen, die starke Autorität religiöser Führungspersonen sowie der hohe Anpassungsdruck innerhalb der Gemeinschaft. Die Ahmadiyya weist diese Vorwürfe zurück und betont ihre friedliche Ausrichtung sowie ihre gesellschaftliche Integrationsarbeit.

