HomeGesundheitGeschlechtskrankheitenDermatophilose: Seltene Hautinfektion in europäischen Schwulensaunen

Dermatophilose: Seltene Hautinfektion in europäischen Schwulensaunen

In Deutschland, Frankreich und Spanien wurden mehrere Infektionen mit Dermatophilus congolensis registriert. Forschende untersuchen derzeit, ob sich die ursprünglich bei Tieren vorkommende Infektion innerhalb sexueller Netzwerke von Männern, die Sex mit Männern haben, verbreitet.

In den vergangenen Monaten haben internationale Forschungsteams mehrere Cluster von Dermatophilose-Fällen in europäischen Großstädten dokumentiert. Besonders betroffen waren Barcelona, Lyon und Paris. Auch in Berlin wurden einige Fälle registriert. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Bakterium Dermatophilus congolensis, das bislang fast ausschließlich als Erreger bei Tieren bekannt war.

Fälle ohne Kontakt zu Nutztieren

Die aktuellen Erkrankungen unterscheiden sich deutlich von den in früheren Berichten beschriebenen Fällen. Keiner der dokumentierten Patienten hatte Kontakt zu infizierten Nutztieren oder lebte in ländlichen Regionen. Es handelte sich überwiegend um Männer, die Sex mit Männern haben und in urbanen Zentren lebten.

In Frankreich wurden neun Fälle wissenschaftlich untersucht. Ähnliche Fallzahlen wurden aus Spanien gemeldet. Hinzu kommen inzwischen weitere Infektionen aus Deutschland. Alle Patienten entwickelten Hautveränderungen, die häufig im Genitalbereich, an den Oberschenkeln, in der Leistengegend oder im Bartbereich auftraten.

Saunen stehen im Fokus der Untersuchungen

Ein wiederkehrendes Merkmal der Fallberichte sind Besuche von Gay-Saunen oder ähnlichen Einrichtungen. Viele Betroffene gaben an, kurz vor dem Auftreten der Symptome entsprechende Orte besucht zu haben. Forschende vermuten, dass die feuchtwarmen Bedingungen in diesen Einrichtungen das Überleben infektiöser Sporen begünstigen könnten.

Die geschätzte Inkubationszeit liegt derzeit zwischen drei und 14 Tagen. Da viele Betroffene mehrere Kontakte hatten, lassen sich genaue Infektionsketten jedoch bislang nur schwer nachvollziehen.

Genetische Analysen liefern neue Hinweise

Genetische Untersuchungen der Bakterienproben sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Forschenden stellten fest, dass die aktuellen Isolate eng miteinander verwandt sind. Das spanische Team berichtete sogar von einem eigenen genetischen Cluster, der sich deutlich von bisher bekannten Stämmen unterscheidet.

Ob es sich dabei tatsächlich um eine neue Variante oder eine bislang unbekannte Form des Bakteriums handelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Parallelen zu Mpox werden diskutiert

Einige Wissenschaftler ziehen bereits Vergleiche zum Mpox-Ausbruch im Jahr 2022, bei dem die ersten Fälle ebenfalls vor allem in sexuellen Netzwerken von schwulen und bisexuellen Männern beobachtet wurden. Anders als Mpox verläuft die Dermatophilose nach aktuellem Wissensstand jedoch deutlich milder.

Expert:innen fordern deshalb vor allem Wachsamkeit. Ärzt:innen sollen bei ungewöhnlichen Hautveränderungen entsprechende Tests durchführen und neue Fälle dokumentieren. Zudem betonen Gesundheitsbehörden die Bedeutung von Hygiene in Gemeinschaftseinrichtungen und die frühzeitige medizinische Abklärung von Symptomen.

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