Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Toronto wurde ein deutscher Fußballfan Opfer eines brutalen Angriffs. Alex ist gemeinsam mit seinen Freunden Jan und Dennis als Teil des Fanklubs „Deutsche Kartoffeln auf die 1!” durch Nordamerika unterwegs, um die DFB-Auswahl bei ihren Spielen zu begleiten.
Normalerweise dokumentiert die Gruppe ihre Reise auf Instagram mit humorvollen Beiträgen. Nach dem Spiel in Toronto veröffentlichte Alex jedoch Bilder, die ihn mit blutverschmiertem Gesicht, Schürfwunden und einem zerrissenen Deutschland-Trikot zeigen.
Streit um Regenbogen-Fächer eskaliert
Nach dem Spiel feierte die Gruppe im Club „Paris Texas“ in Toronto. Alex und seine Freunde tanzten auf einem erhöhten Podest und hatten einen Regenbogen-Fächer dabei. Das habe offenbar eine Gruppe junger Männer provoziert.
„Dann kamen vier Jungs auf uns zu, haben uns beleidigt und wollten den Fächer haben“, schilderte Alex deutschen Medien gegenüber. Als seine Freunde nicht darauf eingingen, eskalierte die Situation. Einer der Männer habe sein Getränk auf den Boden geworfen, ihn vom Podest gezogen und angefangen, auf ihn einzuschlagen.
Alex erklärte, er habe sich zunächst aus der Situation befreien können. Die Auseinandersetzung schien vorübergehend beendet, doch wenig später kam es zu einem weiteren Angriff.
Zweite Attacke trotz Begleitung von Securities
Nachdem Alex den Club verlassen hatte, bemerkte er, dass er persönliche Gegenstände zurückgelassen hatte. Er kehrte gemeinsam mit Türstehern zurück, um diese zu holen. Dort sei er erneut angegriffen worden.
„Die haben offenbar nur darauf gewartet“, berichtete der 33-Jährige. Seiner Erinnerung nach erhielt er mehrere Schläge gegen den Kopf und begann sofort stark zu bluten. Er kritisiert in diesem Zusammenhang besonders das Verhalten der Security-Mitarbeiter. Zwar seien die mutmaßlichen Täter aus dem Lokal verwiesen worden, festgehalten worden seien sie jedoch nicht.
„Leider gab es von den Türstehern wenig Hilfe“, zieht Alex enttäuscht Bilanz. Auch das spätere Eingreifen der Polizei bewertet er kritisch. Als die Beamten eintrafen, waren die Angreifer bereits verschwunden.
Krankenhausaufenthalt und hohe Kosten
Nach der Attacke wurde Alex in ein Krankenhaus gebracht. Dort verbrachte er eigenen Angaben zufolge rund acht Stunden in der Notaufnahme. Die Ärzte nähten die Verletzung an seiner Schläfe mit drei Stichen und führten weitere Untersuchungen durch.
Für die medizinische Behandlung erhielt der deutsche Fan eine Rechnung in Höhe von rund 5.000 US-Dollar. Trotz der Verletzungen geht es ihm inzwischen den Umständen entsprechend gut.
Die Polizei nahm eine Anzeige gegen Unbekannt auf. Alex übergab der Polizei nach eigenen Angaben Fotos und Videos der mutmaßlichen Täter. Ob die Aufnahmen zur Identifizierung der Beteiligten führen werden, ist derzeit offen.
Fans wollen Zeichen gegen Hass setzen
Mit der Veröffentlichung des Vorfalls wollen Alex und seine Freunde auf Homophobie und Diskriminierung aufmerksam machen. Auch wenn er selbst nicht schwul ist, wie der 33-Jährige erklärt, habe ihn der Vorfall nachdenklich gemacht.
„Ich wurde wegen eines Regenbogen-Fächers angegriffen. Ich verstehe nicht, wie man in diesem Alter eine homophobe Einstellung haben kann“, sagte er. In einem Instagram-Beitrag erklärte die Gruppe zudem: „Junge Menschen Anfang 20, die eigentlich eine tolerante Generation sind, haben so viel Hass in sich. Und die LGBTQ+-Community muss damit jeden Tag fertig werden.“
Trotz des Vorfalls wollen die drei Fußballfans ihre Reise fortsetzen. Bereits beim nächsten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ecuador in New York wollen sie wieder im Stadion dabei sein. Alex kündigte an: „Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden weiterhin gute Stimmung verbreiten.“

