HomeNewsChronikCottbus: Rechter Brandanschlag wegen Regenbogenflagge

Cottbus: Rechter Brandanschlag wegen Regenbogenflagge

Während der CSD-Aktionswochen in Cottbus sind ein alternatives Wohnprojekt und ein Jugendclub Ziel rechtsextrem motivierter Brandanschläge geworden. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Mordes.

In der Nacht auf Donnerstag wurde das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus von Unbekannten angegriffen. Laut Polizei wurden mehrere mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Flaschen gegen die Fassade des Hauses geworfen. In der Nähe des Gebäudes entstand ein kleiner Brand, der gelöscht werden konnte. Verletzt wurde niemand. Da sich zum Tatzeitpunkt Menschen im Haus aufhielten, wird wegen des Verdachts des versuchten Mordes ermittelt. 

Brandanschläge während der CSD-Aktionswochen in Cottbus

Die Angriffe ereigneten sich während der Aktionswochen zum Christopher Street Day (CSD). An der Fassade des Gebäudes hingen eine Regenbogenflagge sowie ein CSD-Plakat mit der Aufschrift „Liebe Cottbusser*innen, wir gendern trotzdem!“. Das Plakat bezog sich auf den Beschluss der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung, geschlechtergerechte Sprache in der Stadtverwaltung zu verbieten.

Die Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ sieht einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen und den CSD-Aktionswochen. Ihr Sprecher Lukas Pellio sagte dazu: „Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus. Es wird wieder einmal deutlich, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Skrupellosigkeit die rechte Szene in Cottbus agiert.“ Die Bewohner:innen der „Zelle 79“ kündigten an, sich nicht einschüchtern zu lassen und am CSD am 11. Juli teilzunehmen.

Polizei sucht zwei mutmaßliche Tatverdächtige

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sollen zwei schwarz gekleidete Männer im Alter zwischen 15 und 20 Jahren an der Tat beteiligt gewesen sein. Einer von ihnen trug eine schwarz-weiß-rote Sturmhaube und eine Tätowierung am linken Unterarm. Die Polizei sicherte Spuren und wertet Videoaufnahmen aus, die von Bewohnern des Hauses aufgenommen wurden. Zeugen werden gebeten, sich bei den Ermittlern zu melden.

Laut Polizei könnten die beiden Tatverdächtigen aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammen. Da es sich bei der „Zelle 79” um ein alternatives Szeneobjekt handelt, wurde gemeinsam mit dem Staatsschutz und der Mordkommission eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die Schutzmaßnahmen für das Wohnprojekt wurden verstärkt.

Auch Jugendclub „Chekov“ von Brandanschlag betroffen

In derselben Nacht wurde laut Polizeiangaben auch der Kulturort und Jugendclub „Chekov“ angegriffen. Dort setzten Unbekannte einen Holzzaun in Brand. Die Ermittler prüfen derzeit, ob beide Taten miteinander in Verbindung stehen.

Am Donnerstagabend versammelten sich rund 100 Menschen zu einer Mahnwache vor der „Zelle 79“. Die Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ fordert nach den Anschlägen unter anderem einen festen Standort der „Opferperspektive“ in Cottbus. Dabei handelt es sich um eine Beratungsstelle für Betroffene rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Landesregierung verurteilt die Angriffe

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) verurteilte die beiden Brandanschläge scharf: „Rechtsextremisten verätzen das Zusammenleben. Wer Molotow-Cocktails schmeißt, nimmt Opfer in Kauf. Das macht mich fassungslos.“ Laut Redmann untersucht eine spezialisierte Ermittlungsgruppe die Strukturen des verantwortlichen Milieus. Zudem sei die Polizeipräsenz in Cottbus mit Blick auf die CSD-Aktionswochen erhöht worden.

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich entsetzt. Er erklärte, die Landesregierung werde weiterhin „klare Kante gegen rechte Gewalt zeigen”. Cottbus’ Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) sicherte den Betroffenen Unterstützung zu. „Wir werden immer an der Seite derer stehen, die attackiert werden oder deren Leben man gefährdet, obwohl sie nur friedlich, aber anders leben wollen”, sagte Schick. Zugleich sprach er sich erneut dafür aus, den Einsatz von Videoüberwachung zu erleichtern.

Cottbus verzeichnet seit Jahren rechtsextreme Angriffe

Die „Zelle 79“ war in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Ziel mutmaßlich rechtsextremer Angriffe. Laut Polizei wurde unter anderem versucht, die Eingangstür mit einem Böller zu beschädigen. In einem weiteren Fall schossen Unbekannte Pyrotechnik auf das Gebäude. 

Cottbus gilt als Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Brandenburg. In den vergangenen Monaten registrierten die Behörden dort unter anderem antisemitische Schmierereien an der Synagoge, Angriffe auf alternative Projekte sowie Drohungen gegen Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Nach den jüngsten Anschlägen wurden die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt erneut verstärkt.

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