HomePolitikInlandNico Marchetti legt Amt als ÖVP-Generalsekretär nieder

Nico Marchetti legt Amt als ÖVP-Generalsekretär nieder

Nico Marchetti zieht sich von seiner Funktion als Generalsekretär der Volkspartei zurück. Der offen schwule ÖVP-Politiker möchte sich neben der Politik beruflich neu aufstellen. Seine Mandate im Nationalrat und in der Wiener ÖVP behält er vorerst.

Die Österreichische Volkspartei muss sich auf die Suche nach einem neuen Generalsekretär begeben. Wie am Dienstag bekannt wurde, wird Nico Marchetti seine Tätigkeit in dieser Funktion Ende Juli beenden. Auch die Rolle als Mediensprecher gibt der 36-Jährige ab. Im Nationalrat sowie als Bildungssprecher der ÖVP und als Bezirksparteiobmann in Wien-Favoriten bleibt er jedoch aktiv.

Wunsch nach einem zweiten beruflichen Standbein

Marchetti begründete seinen Rückzug mit persönlichen Gründen. Nach mehreren Jahren als Berufspolitiker wolle er sich nun auch außerhalb der Politik ein berufliches Fundament schaffen. In einer Aussendung beschrieb er seinen Zugang zur Parteiarbeit als ungewöhnlich: „Mir liegt die feine Klinge mehr als der Bihänder“, sagte er und bezeichnete sich selbst als „durchaus untypischen Generalsekretär“.

Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Christian Stocker bedankte sich für Marchettis Einsatz. Er hob dessen Loyalität sowie seine Arbeit in einer politisch schwierigen Phase hervor. Laut Medienberichten gilt Markus Gstöttner als möglicher Kandidat für Marchettis Nachfolge.

Innerparteilich zuletzt unter Druck

Marchetti war zuletzt parteiintern zunehmend in die Kritik geraten. Unter anderem wurde seine öffentliche Unterstützung für Clemens Pig weit vor der Bestellung der ORF-Führung diskutiert. Gleichzeitig wurden die schwachen Umfragewerte der Volkspartei auch mit der Arbeit der Parteizentrale in Verbindung gebracht.

Obwohl er sich aus der Parteiführung zurückgezogen hat, gilt ein endgültiger Abschied von höheren politischen Aufgaben als eher unwahrscheinlich. Innerhalb der Wiener ÖVP wird Marchetti seit Jahren als politisches Talent gehandelt. Es gibt Gerüchte, dass der derzeitige Wiener ÖVP-Chef Markus Figl bei der nächsten Gemeinderatswahl nicht als Spitzenkandidat antreten könnte. In diesem Fall könnte Marchetti in den Mittelpunkt rücken.

Marchetti steht für eine jüngere und urbane ÖVP

Der gebürtige Wiener gilt als Vertreter eines jüngeren, urbaneren Kurses innerhalb der Volkspartei. Bereits in seiner Zeit als Generalsekretär sprach er sich dafür aus, die Partei in den Städten stärker zu positionieren und neue Wählergruppen anzusprechen.

Seine politische Laufbahn begann er bereits als Schüler in der ÖVP. Später war er unter anderem Wiener Landesschulsprecher, Bundesschulsprecher und Landesobmann der Jungen Volkspartei Wien, bevor er 2017 in den Nationalrat gewählt wurde.

Offen schwul und seit 2025 verheiratet

Marchetti gilt als einer der bekanntesten offen homosexuell lebenden Politiker der Volkspartei. Im vergangenen Jahr heiratete er seinen langjährigen Partner Andy im italienischen Trentino. Das Paar veröffentlichte Fotos der Hochzeit auf Instagram und erhielt zahlreiche Glückwünsche aus der Politik, darunter von Weggefährten aus der ÖVP.

Auf seinen angekündigten Rückzug reagierten politische Mitbewerber mit anerkennenden Worten. So dankte ihm SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim für die „gute und konstruktive“ Zusammenarbeit und hob den respektvollen Umgang in der Koalition hervor. NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos würdigte dessen Gesprächsbereitschaft und Kompromissfähigkeit während der gemeinsamen Regierungsarbeit.

Mehr News