Die Bratislava Pride rückt dieses Jahr besonders in den Fokus. Während in vielen europäischen Ländern über weitere Fortschritte bei der Gleichstellung diskutiert wird, hat sich die Lage für queere Menschen in der Slowakei in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Die Bratislava Pride, die am 18. Juli stattfindet, wird deshalb auch zu einer Demonstration gegen die aktuelle Regierungspolitik.
Die slowakischen Aktivist:innen freuen sich über Unterstützung aus Österreich. Von Wien aus ist Bratislava in rund einer Stunde mit dem Zug erreichbar. Die Initiative „Common Cause“ organisiert deshalb eine gemeinsame Anreise mit dem REX 8, der am 18. Juli um 11:15 Uhr vom Wiener Hauptbahnhof abfährt.
Regierung verschärft die Rechtslage
Die Lage in unserem Nachbarland ist ernst: Auf Initiative von Ministerpräsident Robert Fico hat das slowakische Parlament mehrere Gesetze und Verfassungsänderungen beschlossen, durch die die Rechte queerer Menschen eingeschränkt werden.
So erkennt die slowakische Verfassung seit November 2025 ausschließlich zwei biologisch definierte Geschlechter an. Gleichzeitig wurde die rechtliche Anerkennung nichtbinärer Menschen ausgeschlossen und Geschlechtsänderungen für trans Personen deutlich erschwert.
Auch für gleichgeschlechtliche Paare wurden die Hürden erhöht. Nach der aktuellen Gesetzeslage dürfen Kinder ausschließlich von verheirateten heterosexuellen Paaren adoptiert werden. Alles in allem ist dies ein deutlicher Rückschritt beim Schutz von Minderheiten und bei den Menschenrechten.
Kritik an Abgrenzung gegenüber der EU
Zusätzlich beschloss das Parlament, dass in Fragen wie Familie, Bildung und kulturellen Werten die nationale Souveränität Vorrang vor europäischem Recht haben soll – ein Versuch, den Einfluss der Europäischen Union auf gesellschaftspolitische Fragen einzuschränken.
Die Bratislava Pride möchte deshalb ein Zeichen gegen diese rückläufige Entwicklung setzen. Erwartet werden Teilnehmer:innen aus der Slowakei sowie aus Österreich, Deutschland, Ungarn und weiteren Ländern. Die Organisator:innen betonen in diesem Zusammenhang die Bedeutung internationaler Solidarität.
Große Unterschiede innerhalb der EU
Ein Vergleich mit Österreich zeigt, wie unterschiedlich die Rechtslage innerhalb der Europäischen Union ist. Während die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare hier seit 2019 möglich ist, definiert die slowakische Verfassung die Ehe seit 2014 weiterhin ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau.
Deshalb weichen immer wieder gleichgeschlechtliche Paare aus der Slowakei nach Österreich aus, um zu heiraten. Zuletzt sorgte die Hochzeit des Oppositionspolitikers Michal Šabo mit seinem Partner Michal Šefčík in Hainburg an der Donau für Aufmerksamkeit. Die Grenzstadt liegt nur wenige Kilometer von Bratislava entfernt.
Unterstützung aus Österreich
Die Bratislava Pride ist eine der kleineren Pride-Veranstaltungen Europas. Im Vorjahr nahmen nach Angaben der Organisatoren etwa 17.000 Menschen daran teil.
Für viele der Teilnehmenden ist die Demonstration dennoch ein wichtiges Zeichen für Sichtbarkeit und gleiche Rechte. Die Beteiligung von Aktivist:innen aus den Nachbarländern soll die Forderung nach gleichen Rechten und die Solidarität mit der queeren Community in der Slowakei noch sichtbarer machen.

