Es ist eine Nachricht voller Liebe und Freude: Wie die Bild-Zeitung berichtet, sind Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke Eltern geworden. In einer persönlichen Nachricht an Familie, Freunde und Kollegen teilten die beiden mit: „Willkommen auf der Welt, kleiner Mensch. Möge dein Leben voller Liebe, Gesundheit und Wunder sein, und möge dich Gottes reicher Segen auf deinem Weg beschützen.“ Ihr Sohn Georg wurde in den USA von einer Leihmutter ausgetragen.
„Georg ist unser ganzes Glück“
Spahn bestätigte gegenüber der Bild-Zeitung: „Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen.“ Funke ergänzte: „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht.“ Er zitierte Franz Beckenbauer: „Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“
Der kleine Bub trägt das Sternzeichen Krebs. Daniel Funke ist der genetische Vater des Kindes. Mit ihrem Sohn wollen die beiden Väter bis Anfang August eine ruhige Zeit in den USA verbringen, bevor sie nach Deutschland zurückkehren. Spahn und Funke sind seit 2017 verheiratet und leben in Berlin sowie im Münsterland.
Georg trägt den Namen von Spahns im April 2024 verstorbenem Vater. Die Leihmutter soll im Leben des Kindes weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wie das Paar mitteilte, gehört sie „quasi zur Familie und wird Georgs Lebensweg begleiten”.
Leihmutterschaft in Deutschland nicht erlaubt
Bereits 2021 hatte Spahn dem Magazin Bunte gesagt: „Ich denke, wir wären gute Eltern.“ Umso größer ist nun die Freude der beiden Väter. „Wir sind überglücklich und schockverliebt in den kleinen Mann“, schrieb das Paar an seinen Freundeskreis. Bundeskanzler Friedrich Merz wurde von Spahn bereits vor wenigen Tagen persönlich über den Nachwuchs informiert.
Auch wenn die Entscheidung des CDU-Fraktionschefs und seines Mannes persönlich nachvollziehbar ist, sorgt sie politisch für Verwunderung: In Deutschland ist Leihmutterschaft – vor allem aufgrund der Position von Spahns eigener Partei – verboten. Auch ärztliche Begleitung und Vermittlung sind illegal. Deshalb weichen schwule Paare in die USA aus, wo Leihmutterschaft in einzelnen Bundesstaaten legal geregelt ist.
Der Bundesgerichtshof entschied bereits 2014, dass eine in den USA festgestellte Elternschaft in Deutschland anerkannt werden muss – zumindest, wenn einer der Elternteile genetischer Vater oder Mutter ist. Das trifft auf Funke und Spahn zu.
Zwei CDU-Politiker gegen die Partei-Position
Spahn ist nicht der erste CDU-Politiker, der diesen Weg geht: Der Virologe und CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck und sein Ehemann sind ebenfalls vor Kurzem chris geworden.
Doch während sich die beiden Politiker diesen Traum erfüllen, hat die CDU im Februar noch einmal bekräftigt, Leihmutterschaft „auch in altruistischen Modellen” zu verbieten. Begründet wurde dieser Schritt mit „ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken” sowie der Vermeidung von „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitlichen Risiken”. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte im Mai, dass es in der Bundesregierung keine Mehrheit für die Legalisierung von Leihmutterschaft für schwule Paare gebe.
Oft die einzige Möglichkeit für schwule Paare
Für schwule Paare ist Leihmutterschaft oft eine der wenigen Möglichkeiten, Eltern eines leiblichen Kindes zu werden, da Adoptionen in der Praxis als schwierig gelten.
Wissenschaftlich ist klar: Wie die Psychologin Tabitha Freeman vom Centre for Family Research der Universität Cambridge bereits 2017 feststellte, entwickeln sich Kinder, die durch Leihmutterschaft zur Welt kommen, nicht schlechter als andere Kinder. Entscheidend sei nicht, wie ein Kind entstanden ist, sondern die Beziehung zu seinen Eltern.

