Der Titel klingt nach Action und Chaos, doch der Debütfilm von Lotta Schwerk erzählt das genaue Gegenteil. Mit 18 sind die besten Freundinnen Leonie und Marlene absolut sicher, dass nichts sie je trennen wird. Doch dann verliebt sich Leonie in Naomi und stürzt sich kopfüber in ihre erste große Liebe.
Ein filmisches Experiment, das Lust auf mehr macht
Was nach einem klassischen Coming-of-Age-Drama klingt, wird durch ein filmisches Experiment zum eigentlichen Thema: Schwerk drehte von 2017 bis 2023 zusammen mit Kameramann Fion Mutert jährlich weiter an ihrem Kurzfilm. Die Darstellerinnen altern dabei nicht durch Maske und Kostüm, sondern tatsächlich vor der Kamera.
Über einen Zeitraum von acht Jahren entwickelt sich die Geschichte weiter: von der ersten Freundin über die erste WG bis hin zu Fragen nach Studium oder Ausbildung, einem Job im Bioladen, Corona-Videocalls und einer Gärtnerinnenausbildung.
Ein persönlicher Blick auf junge queere Körper
Lotta Schwerk, Jahrgang 1998, kam nicht durch die klassische Filmschule, sondern autodidaktisch zur Filmerei – dafür verfügt sie über jahrelange Festivalerfahrung. Seit 2018 kuratiert sie selbst Jugendfilmfestivals.
Genau dieser „Blick von innen” auf junge, queere Körper war ihr erklärtes Anliegen bei diesem Projekt. Sie wollte einen filmischen Raum schaffen, in dem junge weibliche und queere Körper abseits des männlichen Blicks erwachsen werden dürfen, anstatt sie – wie in anderen Filmen oft beobachtet – zu skandalisieren oder zu sexy-geheimnisvollen Leidensfiguren zu stilisieren.
Echte Zeit statt Dramaturgieformeln
Dass dieses Konzept aufgeht, bestätigen nicht nur Kritiker:innen. Der fertige Langfilm bleibt dem impressionistischen, intim fotografierten Stil der Kurzfilme treu und erzählt die Entwicklung seiner Protagonistin in kurzen, mosaikartigen Pinselstrichen. Der Film ist ein ehrliches, über Jahre gefilmtes, geschriebenes und geschnittenes Porträt des Erwachsenwerdens – kein gewöhnliches Coming-of-Age-Klischee, sondern Alltag mit Tiefenschärfe.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Zeitsprünge zwischen den Jahren kaum auffallen. Dass hier acht Jahre Drehmaterial zusammengeschnitten wurden, merkt man dem Film nicht an.
Im Detail schwächelt die Geschichte ein wenig
Ganz ohne Kratzer läuft es allerdings nicht. So wurde das erste Sechstel des Films direkt aus dem Ursprungs-Kurzfilm übernommen – neu geschnitten und mit anderem Soundtrack. Wer den Kurzfilm kennt, erlebt also eher ein Wiedersehen als eine Überraschung.
Und eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich acht Jahre lang eher intuitiv als nach klassischem Drehbuch entwickelt hat, verzichtet naturgemäß auf große dramaturgische Wendungen. Zuschauer:innen, die auf den großen Knall warten, könnten das als zu leise empfinden.
Mut statt Mainstream
Das Debüt wurde mit dem New Berlin Film Award in den Kategorien „Beste Regie” und „Bestes Schauspiel” beim Achtung-Berlin-Festival ausgezeichnet und ist ab 12 Jahren freigegeben.
Wer erwartet, dass Ninjas hier tatsächlich etwas zerstören, wird enttäuscht. Wer sich aber auf acht echte Jahre Freundschaft, erste Liebe und leises Erwachsenwerden einlässt, erlebt etwas, das so unverstellt selten auf der Leinwand zu sehen ist.


