Die Zahl der in Österreich registrierten Hassverbrechen blieb im Jahr 2025 mit 6.751 Straftaten und 7.327 dokumentierten Fällen nahezu unverändert. Dies geht aus dem fünften Hate-Crime-Lagebericht des Innenministeriums hervor, den GGG.at ausführlich analysiert hat. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 67 auf 71 Prozent.
Für die queere Community zeigt der Bericht ein gemischtes Bild: Während gemeldete Vorfälle aufgrund der sexuellen Orientierung – also Homo- oder Bisexualität – leicht zunahmen, ging die Zahl der Meldungen aufgrund des Geschlechts – also gegenüber diversen, inter oder trans Menschen – deutlich zurück.
Queerfeindlichkeit nimmt wieder zu
Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 330 Vorfälle, die auf die sexuelle Orientierung der Betroffenen, also ihre Heterosexualität, Homosexualität oder Bisexualität, zurückzuführen sind. Das sind etwas mehr als im Jahr 2024 mit 317 Fällen. Damit bleibt die sexuelle Orientierung nach Weltanschauung, nationaler bzw. ethnischer Herkunft und Religion die vierthäufigste Kategorie für Hassverbrechen in Österreich.
Der Lagebericht führt den Anstieg ausschließlich auf mehr Vorfälle gegenüber Lesben und Schwulen zurück. 297 der 330 gemeldeten Vorfälle hatten homosexuelle Menschen zum Ziel. Das entspricht einem Anstieg um neun Prozent gegenüber 2024, als 272 homophobe Fälle registriert wurden. Im Jahr 2023 hatte der Wert mit 389 den bisherigen Höchststand erreicht; davor lag er bei 305 (2022) bzw. 299 (2021).
Gegen bisexuelle Menschen registrierte die Polizei 23 Fälle. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der systematischen Erfassung. Zum Vergleich: 2024 waren es 31 Fälle und 2023 insgesamt 39. Gegen heterosexuelle Menschen wurden zehn Vorfälle erfasst.
Körperverletzungen zählen zu den häufigsten Delikten
Bei homophoben Hassverbrechen bleibt es häufig nicht bei bloßen Hasspostings. Zu den häufigsten Delikten zählen nach Verhetzungen und Verstößen gegen das Verbotsgesetz vor allem Körperverletzungen (69 Fälle), gefährliche Drohungen (41), Sachbeschädigungen (38) und Beleidigungen. Mehr als die Hälfte aller homophoben Vorfälle ereignete sich im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. 64 Prozent der Tatverdächtigen besaßen die österreichische Staatsbürgerschaft, rund 90 Prozent von ihnen waren Männer.
Der Lagebericht zeigt außerdem, dass Hass gegen gleichgeschlechtlich liebende Menschen häufig im öffentlichen Raum sichtbar wird. Jeder dritte homophobe Vorfall wurde dort registriert. Gleichzeitig bleibt das Internet der häufigste Tatort von Hassverbrechen insgesamt.
Weniger Vorurteilsmotive wegen des Geschlechts
Deutlich rückläufig entwickelten sich die Vorfälle aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Insgesamt registrierte die Polizei 172 vorurteilsmotivierte Straftaten, nachdem es 2024 noch 238 gewesen waren. Das entspricht einem Rückgang von rund 28 Prozent.
Für die LGBTIQ+-Community sind dabei besonders die Unterkategorien Trans, Divers/Inter und Andere relevant. Seit Anfang 2024 wird Transidentität erstmals gesondert erfasst. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 30 transfeindliche Delikte, nach 46 im Jahr davor. Gegen diverse oder intergeschlechtliche Personen wurden sieben Fälle dokumentiert.
Der Bericht des Innenministeriums weist darauf hin, dass transfeindliche Vorurteilsmotive besonders häufig als Verhetzung registriert wurden und rund ein Drittel dieser Taten sich im öffentlichen Raum ereignete.
Hass wird jünger und digitaler
Das Innenministerium erkennt unabhängig von der betroffenen Personengruppe zwei Entwicklungen mit besonderer Bedeutung. Das Internet bleibt mit 1.917 registrierten Hassverbrechen der häufigste Tatort. Gleichzeitig war rund ein Drittel aller Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bezeichnet diese Entwicklung als Hinweis darauf, dass Hasskriminalität „jünger und digitaler“ werde. Das Ministerium verweist in diesem Zusammenhang auf Präventionsprogramme wie „Sicher und FAIRnetzt“ sowie auf den sich derzeit in Ausarbeitung befindlichen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.
Grüne werfen Innenminister Untätigkeit vor
Dieser Plan sollte eigentlich schon seit einem Jahr vorliegen, ärgert sich David Stögmüller, Sprecher der Grünen für LGBTIQ+: „Seit über einem Jahr ist die Regierung nun säumig“, ärgert er sich: „Betroffene verdienen wirksamen Schutz statt weiterer Verzögerungen.“
Außerdem brauche es neben einer konsequenten Strafverfolgung einen klaren Schwerpunkt auf Prävention. „Wenn ein Drittel der Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre ist, zeigt das, wie entscheidend Präventionsarbeit an Schulen, digitale Medienkompetenz und die Auseinandersetzung mit Extremismus sind. Hass wird erlernt – und genau dort gilt es anzusetzen“, so Stögmüller.

