Berliner Ärzte „heilen“ HIV-Patienten

Ein Amerikaner, der in Berlin lebt, ist durch eine Knochenmarkspende vermutlich von HIV geheilt worden.

Der Mann, der sowohl HIV-infiziert war als auch an Leukämie erkrankt war, bekam Knochenmark transplantiert, dessen blutbildende Stammzellen eine bestimmte Mutation aufwiesen. Dadurch sind sie gegen das HI-Virus immun. Das Ergebnis: Seit knapp zwei Jahren kann der Virus in dem Mann nicht mehr nachgewiesen werden.

Das Universitätsklinikum Charité bremste aber Hoffnungen auf eine neue HIV-Therapie. „Das ist ein herausragender Erfolg für die Wissenschaft. Es ist aber viel zu früh, über Therapiemöglichkeiten zu sprechen“, sagte Rudolf Tauber von der Charité bei einer Pressekonferenz.

Bei dem Patienten seien mehrere günstige Zufälle zusammengekommen: So kamen für den Patienten insgesamt 80 Knochenmarkspender infrage. Normalerweise sind es bei Leukämie-Fällen weniger als fünf. Der 60. genau untersuchte Spender verfügte dann auch noch über die passende Gen-Mutation, die das HI-Virus in Schach halten kann.

Bei der Mutation Delta 32 blockiert das veränderte Gen wie ein Torwart die Zellen, das Virus bleibt ausgesperrt. Diese Genmutation tritt bei etwa einem bis drei Prozent der europäischen Bevölkerung auf.

Durch die Stammzell-Transplantation hat der Patient nicht nur seine Leukämie bekämpft, auch das HI-Virus ist seit rund 20 Monaten nicht mehr nachweisbar. „Wir haben nicht nur das Blut untersucht, sondern auch Organe und das Zentrale Nervensystem“, erläutert der zuständige Charité-Arzt Gero Hütter. Als geheilt gilt der Patient aber trotzdem nicht: „Dieses Virus ist zu trickreich“, sagt Hütter. Es könnte sich gut verstecken, außerdem sei auch eine weitere Mutation, die den „Torwart“ vor den Körperzellen austrickse, denkbar.

Für andere HIV-Patienten sei das Verfahren nicht geeignet, weil die Stammzell-Transplantation zu gefährlich sein, betonte Hütter.