‚Belgrade Pride‘ auch dieses Jahr verboten

Die Belgrade Pride wurde auch heuer verboten. Das hat Ministerpräsident und Innenminister Ivica Dačić soeben offiziell bekannt gegeben. Die Parade in der serbischen Hauptstadt hätte am Samstag stattfinden sollen. Den Organisatoren wurde die Entscheidung bereits mitgeteilt.

Bereits im letzten Jahr wurde die Parade mit einem Hinweis auf die Sicherheitslage verboten. Im Jahr zuvor war es bei der ersten Parade Serbiens zu Krawallen nationalistischer Gruppen im Stadtzentrum Belgrads gekommen.

Kritik an der Entscheidung kommt aus dem Europäischen Parlament. „Ich bedauere, dass die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, zwei Eckpfeiler aller europäischen Demokratien, nicht von allen Bürgern Serbiens frei ausgeübt werden können. Das Verbot ist für Serbien eine vergebene Chance, und es gibt einen Eindruck vom Land, den es nicht verdient“, so der slowenische EU-Abgeordnete Jelko Kacin.

Er kann die offizielle Begründung für das Verbot nicht verstehen: „Die serbische Polizei ist professionell und in der Lage, Recht und Gesetz zu sichern. (…) Die Entscheidung war politisch“, ist sich Kacin sicher.

Kacin wollte die Belgrade Pride gemeinsam mit den grünen Europaparlamentariern Marije Cornelissen und Keith Taylor besuchen. Die beiden Grünen bedauern in einer ersten Stellungnahme, dass „die homophoben leider gewonnen haben, indem sie mit großen Unruhen und Gewalt gedroht haben.“ Sie fordern, dass das Verbot der Lesben- und Schwulenparade „schwerwiegend gegen Serbien in einer Entscheidung gewertet wird, ob Verhandlungen über eine EU-Mitgliedschaft aufgenommen werden sollen“.

Bereits in den letzten Wochen haben nationalistische Extremisten, Fußballfans und radikale Christen zu Protesten gegen die Parade aufgerufen. Auch der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej warnte vor der „Parade der Schande“, die seiner Meinung nach einen schweren moralischen Schatten auf Belgrad, die jahrhundertelange christliche Kultur und die Familienwürde werfen würde.

Auch die Eröffnung einer Ausstellung der schwedischen Fotografin Elisabeth Ohlson Wallin anlässlich der „Pride Week“ heute abend könnte von radikalen Nationalisten gestört werden. Die Ausstellung, die Bilder enthält, die Jesus zusammen mit Homosexuellen zeigen, ist nach Ansicht von Patriarch Irinej „tiefbeleidigend“. Er forderte Ministerpräsident Dačić auf, auch diese zu verbieten.