Montenegro: Erste Parade in Podgorica endet blutig

Blutig endete die erste Lesben- und Schwulenparade in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro. Trotz gewaltigen Polizeischutzes versuchten radikale Hooligans, die Gay Pride anzugreifen. 18 Polizisten wurden verletzt, die Teilnehmer in Sicherheit gebracht.

„Ab heute sind wir nicht mehr unsichtbar“

Eigentlich war es eine normale Lesben- und Schwulenparade, die am Sonntag in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica stattfand: Etwa 150 Teilnehmer schwenkten Regenbogenflaggen, forderten „Gleiche Rechte für alle“ und marschierten eine gute Stunde lang durch die Hauptstadt.

Aus anderen Ländern Ex-Jugoslawiens, wie Kroatien und Serbien, waren ebenfalls Aktivisten zur Unterstützung angereist. Einer der Organisatoren, Danijel Kalezić, rief freudig in die Menge: „Ab heute ist die Gemeinschaft der LGBT nicht mehr unsichtbar, wir werden den Kampf um unsere Rechte fortsetzen.“

2.000 Polizisten nehmen 1.500 Hooligans fest

Und das Wort „Kampf“ ist in diesem Fall leider sehr wörtlich zu nehmen: Insgesamt 2.000 Polizisten musste die Kundgebung mit massivem Personaleinsatz vor Randalierern und Steinewerfern zu schützen. Die Polizei musste sogar Tränengas einsetzen, um den wütenden Mob von den Demonstranten fernzuhalten. Als die Lage zu eskalieren drohte, wurden die Polizei die Paraden-Teilnehmer in Sicherheit gebracht.

Nach der Veranstaltung eskalierte die Situation endgültig: Hooligans lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die Randalierer warfen Schaufensterscheiben ein und attackierten die Redaktion der regierungskritischen Zeitung „Vijesti“.

Dabei wurden 18 Beamte verletzt, einer von ihnen nach Angaben des Krankenhauses sogar schwer. Insgesamt gab es bei den Ausschreitungen 60 Verletzte und 1.500 Festnahmen, so die Polizei.

Homosexualität gilt noch immer als Krankheit

Es ist nicht das erste Mal, dass in Montenegro eine Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern blutig endet. Im Juli war es in der Küstenstadt Budva bereits zu gewaltsamen Protesten gegen die erste Gay Pride in Montenegro gekommen. Damals haben einige Dutzend Lesben und Schwule in der bei Touristen beliebten Stadt an der Adria einen kurzen Umzug abgehalten.

Heftige Kritik am Abhalten der Parade kam von der orthodoxen Kirche. Für die Regierung von Montenegro ist das Ermöglichen der Gay Pride ein wichtiger Schritt bei den Beitrittsverhandlungen mit der EU, die das Land seit Juni 2012 führt. Der Minister für Menschenrechte, Suad Numanović, nahm deshalb auch persönlich an der Parade teil. Rückhalt in der konservativ geprägten Bevölkerung gibt es dafür nicht: 70 Prozent der Einwohner Montenegros halten Umfragen zufolge Homosexualität nach wie vor für eine Krankheit.