Spionagesoftware soll herausfinden, ob der Sohn schwul ist

Nach empörtem Aufschrei macht die Herstellerfirma einen Rückzieher

Screenshot: Fireworld
Screenshot: Fireworld

In Frankreich ist eine Software-Firma jetzt unter Beschuss geraten: Sie vertreibt Spyware, die es Eltern erlaubt, „herauszufinden, ob ihr Sohn schwul ist“. Nun musste sie einen Rückzieher machen, berichtet die britische BBC.

„Die sexuelle Orientierung ihrer Kinder ist sehr wichtig für sie“

Die Firma Fireworld vertreibt eine nach eigenen Angaben „unsichtbare Spionagesoftware für den PC“ – und gibt auf ihrer Homepage einige Möglichkeiten, wofür diese Software angewendet werden könnte. Die Firma erklärt: „Familie ist fundamental. Darum ist die sexuelle Orientierung ihrer Kinder, direkt verantwortlich für das Weiterbestehen ihrer Familie, sehr wichtig für sie.“

Um das herauszufinden, könne die Software von Fireworld helfen. So könne damit „der Facebook-Account“ des Filius gehackt oder private Nachrichten gelesen werden sowie überprüft werden, ob er sich Schwulenporno-Websites angesehen habe. Und auch über subtilere Zeichen männlicher Homosexualität weiß die Firma auf der entsprechenden Webseite Bescheid.

Theater statt Fußball: Daran soll man erkennen, dass der Sohn schwul sein könnte

Dazu gehörten, dass „er sich gut um sich selbst kümmert“, Interesse an Lesen und Theater statt an Fußball, Schüchternheit sowie gewisse Piercings oder die Vorliebe für einige weibliche Sängerinnen und Divas, kramt Fireworld ganz tief in der Klischeekiste. Weibliche Homosexualität wird in dem Artikel übrigens nie erwähnt.

Diesen Verwendungszweck hat L’Amicale des jeunes du Refuge, eine Organisation für LGBT-Jugendliche, auf der Webseite der Firma gefunden – und gleich darüber getwittert. Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Marlène Schiappa, für Gleichberechtigung zuständige Staatssekretärin, re-tweetete die Nachricht und schrieb, dass „Homophobie und Sexismus ihre Wurzeln in den gleichen Geschlechts-Stereotypen“ hätten: „Wir werden gemeinsam dagegen kämpfen.“

Firma entschuldigt sich nach Shitstorm

Nun hat Fireworld den Schwanz eingezogen. In einer Stellungnahme gegenüber L’Amicale des jeunes du Refuge erklärt die Firma, „der Artikel hatte den einzigen Zweck, die Suchmaschinenoptimierung zu verbessern und war nie dafür gedacht, von Menschen gelesen zu werden. Es tut uns leid, die Konsequenzen dieses Artikels nicht bedacht zu haben. Wir entschuldigen und aufrichtig bei allen, die sich von diesem Inhalt angegriffen gefühlt haben könnten.“

Die Seite auf der Homepage hat Fireworld mittlerweile gelöscht. In Frankreich ist es übrigens verboten, solche Spyware ohne Wissen des Eigentümers zu verwenden.