Montag, 17. Juni 2024
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Italien: Familienminister leugnet Existenz von Regenbogenfamilien

"Bei einer Familie soll das Kind einen Mama und einen Papa haben", sagt Lorenzo Fontana

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Erst am Freitag wurde die neue italienische Regierung von Staatspräsident Sergio Mattarella vereidigt – und schon macht die Koalition aus der rechtsnationalen Lega und der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung negative Schlagzeilen: So behauptet der neue Familienminister, dass es gar keine Regenbogenfamilien gebe. Die Fünf-Sterne-Bewegung distanzierte sich bereits von den Aussagen des Lega-Ministers.

„Gesetzlich existieren keine Regenbogenfamilien“, sagt der neue Familienminister trocken

Das erste Dilemma des ungleichen Zweckbündnisses begann mit der Frage eines Journalisten an den frisch bestellten Familienminister Lorenzo Fontana. Der wollte wissen, was der Lega-Politiker für Familien zu tun gedenke, die aus zwei Männern oder zwei Frauen bestünden.

Fontana reagierte mit einer Gegenfrage: „Existieren Regenbogenfamilien?“ Und als der Journalist dies bejahte, korrigierte ihn Fontana: „Gesetzlich existieren sie derzeit nicht“, betonte der Familienminister, der dabei seine kleine Tochter publikumswirksam auf dem Arm hielt. Er sei katholisch, so der Lega-Politiker, deshalb sei es ihm wichtig, „dass die Familie jene ist, wo ein Kind eine Mama und einen Papa haben soll“.

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Kritik vom Koalitionspartner für die Aussagen des Lega-Familienministers

Für diese Aussage gab es prompt Kritik vom Koalitionspartner. Die Äußerungen Fontanas seien „unangemessen“, betonte Maria Edera Spadoni von der Fünf-Sterne-Bewegung. Dem Corriere della Sera sagte die Politikerin, es sei kein Geheimnis, dass die beiden Regierungsparteien in ethischen Fragen vollkommen unterschiedliche Standpunkte vertreten.

Matteo Salvini, Chef der Lega und Innenminister der neuen italienischen Regierung, versuchte, die Wogen zu glätten. Es sei nicht das Ziel der Regierung, die liberale Gesetzgebung der vorherigen Legislative zu revidieren. Fontana gestatte er aber „seine eigenen Vorstellungen“: „Aber sie sind nicht Priorität und sie stehen nicht in unserem Regierungsvertrag.“

Dabei dürfte Salvinis Familienbild sichnicht so sehr von dem seines Familienministers unterscheiden. Denn auch der Parteivorsitzende hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass eine italienische Familie ganz klassisch aus Mama, Papà e Bambini zu bestehen hat – und da kein Platz für Regenbogenfamilien ist.

Community kritisiert: „Meldungen könnten ein halbes Jahrhundert alt sein“

Die Community bringt sich deshalb gegen den konservativen Familienminister in Stellung: „In den letzten 24 Stunden haben wir zahlreiche Erklärungen von Minister Salvini und Minister Fontana gelesen, die aus einer Zeit von vor mindestens einem halben Jahrhundert stammen könnten“, erklärte Gabriele Piazzoni, der Vorsitzende des größten italienischen LGBT-Verbandes Arcigay. Für Francesco Lepore, der dem LGBT-Verband Gaynet vorsteht, sei es schlimm, wenn ein Minister eine solch „falsche und beleidigende Meinung“ vertrete.

Wenn es um die Rechte sexueller Minderheiten gibt, gilt das katholisch dominierte Italien als Nachzügler in Westeuropa. So hat das Parlament erst im Mai 2016 dafür gestimmt, schwulen und lesbischen Paaren eine Eingetragene Partnerschaft zu ermöglichen. Sie beinhaltet neben einer Gütergemeinschaft auch einen Anspruch auf Hinterbliebenenpension, Doppelnamen oder eine Familienversicherung. Das Adoptionsrecht bleibt ihnen verwehrt.