Mittwoch, 19. Juni 2024
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Ab sofort gibt es in Deutschland eine Briefmarke für Magnus Hirschfeld

Gedenkmarke zum 150. Geburtstags des Vaters der ersten modernen Schwulenbewegung

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Ab heute ist in Deutschland eine ganz besondere Gedenkmarke erhältlich: Sie erinnert an den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der dieses Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte. Er gründete mit dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee die weltweit erste Organisation, die sich für die Gleichberechtigung Homosexueller einsetzte.

Magnus-Hirschfeld-Stiftung freut sich über die Gedenkmarke

„Das Erscheinen der Gedenkbriefmarke und die damit verbundene Würdigung von Magnus Hirschfeld ist für uns eine ganz besondere Freude“, erklärt Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. „Als kleiner Kulturbotschafter kann sie den Diskurs um Magnus Hirschfeld in die Gesellschaft tragen“, hofft er.

Die 2011 gegründete Stiftung wirkt mit ihrer Arbeit in den Bereichen Forschung, Bildung und Erinnerung einer gesellschaftlichen Diskriminierung sexueller Minderheiten in Deutschland entgegen. Seit 2015 hatte sich die Bundesstiftung zusammen mit der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft um das Erscheinen einer solchen Sondermarke bemüht.

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„Wir danken dem Expertengremium und dem Bundesminister der Finanzen für diese wichtige Entscheidung und das damit verbundene Signal. Mit der Gedenkmarke wird die Wirkung des Namensgebers unserer Stiftung für Gegenwart und Zukunft in besonderer Form thematisiert“, so Litwinschuh weiter.

Die Karriere von Magnus Hirschfeld begann als Arzt für Naturheilkunde

Magnus Hirschfeld wurde am 14. Mai 1868 als Sohn eines jüdischen Arztes im pommerschen Kolberg geboren. Er studierte Philologie in Breslau und Medizin in Straßburg, München, Heidelberg und Berlin.

Nach seiner Promotion eröffnete er 1894 zunächst eine naturheilkundliche Arztpraxis in Magdeburg, wo seit 2017 eine Gedenktafel an ihn erinnert. Zwei Jahre später ging er nach Berlin-Charlottenburg – zunächst nur, um dort ebenfalls als Arzt zu praktizieren.

Aufgerüttelt durch den Strafprozess gegen den offen schwulen Schriftsteller Oscar Wilde und den Selbstmord eines schwulen Patienten begann Hirschfeld mit der Erforschung der Homosexualität.

Mit dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee gründete er die erste Organisation für die Gleichberechtigung Homosexueller

Im Jahr 1897 gründete er mit dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee die weltweit erste Organisation, die sich für die Gleichberechtigung Homosexueller einsetzte. Hirschfeld kämpfte gegen den Paragrafen 175 im Strafgesetzbuch, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte. Gänzlich aufgehoben wurde dieser Paragraf übrigens erst 1994.

Hirschfelds gründete im Jahr 1919 auch ein Institut für Sexualwissenschaft, das 1933 von den Nazis geplündert wurde. Unter den Nationalsozialisten war es ihm unmöglich, weiter für seine Sache zu kämpfen. Magnus Hirschfeld ging ins französische Exil. An seinem 67. Geburtstag, am 14. Mai 1935, starb er in Nizza.

Seit September 2017 wird erste Emanzipationsbewegung für Homosexuelle, die von Hirschfeld mitbegründet wurde, mit einem Denkmal in Berlin gewürdigt. Das Ensemble aus sechs übergroßen Blüten der Calla-Lilie in den Farben des Regenbogens steht am Magnus-Hirschfeld-Ufer an der Spree, auf Höhe des Bundeskanzleramtes.