Deutscher Gesundheitsminister kündigt PrEP auf Krankenschein an

Ab 2019 sollen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten für HIV-Risikogruppen übernehmen

Jens Spahn
Stephan Baumann

Die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), ein wirksamer Schutz gegen eine HIV-Infektion, soll in Deutschland für Risikogruppen ab 2019 von der Krankenkasse bezahlt werden. Das sagte Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU dem Deutschen Ärzteblatt.

Spahn kündigt gesetzlichen Anspruch auf die PrEP für Risikogruppen an

Spahn kündigte dem Magazin gegenüber einen entsprechenden Gesetzesentwurf an. Er wolle dafür sorgen, „dass Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Präexpositionsprophylaxe erhalten“, so der offen schwule Politiker. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeige, dass die Zahl der Neuinfektionen dadurch deutlich zurückginge, so der Minister.

Derzeit müssen die Kosten für die PrEP selbst getragen werden: Das sind einerseits 50 bis 70 Euro im Monat für die Medikamente sowie die Rechnungen für ärztliche Beratungen und Begleituntersuchungen. Schätzungen zufolge lassen sich bis jetzt in Deutschland etwa 5.000 Menschen die PrEP verschreiben.

PrEP: Ein (fast) vollständiger Schutz gegen eine HIV-Infektion

Bei der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) nehmen HIV-negative Menschen mit besonders hohem Risiko vorsorglich ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen. Dieses Medikament schützt davor, dass sich das HI-Virus im Körper einnisten und vermehren kann. Bei regelmäßiger Einnahme kann das Infektionsrisiko so um mehr als 90 Prozent gesenkt werden.

Deshalb will Spahn die PrEP auch auf Kosten der Krankenkasse anbieten. „Nur richtig genommen wirkt es. Falsch gemacht, steigt im Gegenteil eher das Risiko von Resistenzen und Ansteckungen“, so Spahn. Dem „Wildwuchs“ mit der PrEP solle ein „strukturiertes Angebot“ entgegengesetzt werden. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass rund 10.000 Menschen dieses Angebot in Anspruch nehmen werden.

„Strukturiertes Angebot“ statt „Wildwuchs“

Zu dem Anspruch auf PrEP für Risikogruppen gehören eine ärztliche Beratung, die für die Anwendung der Arzneimittel erforderlichen Untersuchungen sowie die Verordnung und Erstattung der Arzneimittel. Die Beratung, Untersuchung und Verordnung sollen nur durch Ärzte mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrung vorgenommen werden dürfen.

Spahn hat angekündigt, das Gesetzesvorhaben für eine Kassenfinanzierung der PrEP noch im Juli 2018 auf den Weg bringen zu wollen. Mit einer Umsetzung sei dem Ministerium zufolge „im Laufe des kommenden Jahres“ zu rechnen.

Lob für Spahn und seinen Vorstoß kommt von der Deutschen Aidshilfe

Lob für Spahn kommt von der Deutschen Aidshilfe (DAH). Sie nannte die Ankündigung einen „Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland“: „Wir brauchen die PrEP so schnell wie möglich“, so DAH-Geschäftsführerin Silke Klumb. „Es geht darum, dass Menschen sich nicht mit HIV infizieren – deshalb dürfen wir jetzt keine Zeit verlieren.“

Gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper oder Hepatitis schützt die PrEP nicht. In Österreich werden die Kosten für die PrEP ebenfalls nicht von der Krankenkasse oder privaten Zusatzversicherungen übernommen. Eine Änderung dieser Praxis ist nicht geplant.