Europäisches Parlament will mehr Schutz für Intersex-Personen

„Diese Resolution ist ein Meilenstein für die Intersex Community in Europa“

Sujetbild: Abstimmung im EP
Vincent Van Doornick/Europäisches Parlament

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag ein deutliches Zeichen für die Stärkung intersexueller Personen gesetzt: Die kommende EU-Kommission wird aufgefordert, die Verletzung der Menschenrechte intersexueller Personen zu unterbinden.

Anpassende Operationen an Kindern sollen verboten werden, wenn es nach dem EU-Parlament geht

Zu den Maßnahmen, die das EU-Parlament zum Schutz intersexueller Personen fordert, gehören ein Verbot von genital-normalisierenden Operationen, wie es in Malta und Portugal schon Gesetz ist. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sollen nicht mehr zwangsoperiert werden dürfen. Sie sollen dafür in der gesamten EU die Möglichkeit haben, als Angehörige eines dritten Geschlechtseintrags anerkannt zu werden.

Weiters sollen intersexuelle Kinder und ihre Eltern in den Mitgliedsstaaten angemessen beraten und unterstützt werden, wenn es nach dem EU-Parlament geht. Die Mitgliedsstaaten sollen auch die Mittel für Intersex-Organisationen und entsprechende Forschungseinrichtungen aufstocken und diese unterstützen.

Für Intersex-Aktivisten ist die Resolution ein Meilenstein in Europa

„Diese Resolution ist ein Meilenstein für die Intersex Community in Europa“, so Luan Pertl, Obmensch der Plattform Intersex Österreich. „Auch die österreichische Regierung muss nun handeln und einen sofortigen Stopp von nicht konsensuellen Operationen und medizinischen Behandlungen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen umsetzen.“

„Die heute verabschiedete Resolution ist eine großartige Unterstützung für alle europäischen Initiativen und auch für unsere Arbeit hier in Österreich“, ergänzt Tobias Humer, Obmensch vom Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ). Auch Gabriele Rothuber, Intersex-Beauftragte der HOSI Salzburg, freut sich über den „Etappensieg auf dem Weg zu einem umfassenden Schutz der Grundrechte von intergeschlechtlichen Menschen in Österreich und in der EU“.

Auch für Parlamentsabgeordnete war der Beschluss schon „lange überfällig“

Für Evelyn Regner, Delegationsleiterin der SPÖ im Europaparlament, ist ein solcher Beschluss schon lange überfällig: „Erstmals erkennen wir die Probleme intersexueller Menschen an und erklären uns bereit, aktiv etwas dagegen zu tun“, freut sie sich.

„Gerade intersexuelle Personen leiden enorm darunter, sich ständig als Mann oder Frau definieren zu müssen. Bis heute gilt Intersexualität oft als Abweichung von der Norm, die medizinisch behandelt werden muss. Das kann Betroffene für den Rest ihres Lebens traumatisieren“, so Regner.