Polen: Kirche macht weiter Stimmung gegen sexuelle Minderheiten

Die LGBT-Bewegung sei eine Gefahr für die Familie - und die Jungfrau Maria

Flagge von Polen
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Anlässlich der Pride-Saison macht die römisch-katholische Kirche in Polen Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz, verurteilte in einer Predigt eine angebliche „LGBT-Ideologie“, und die Kirche ermahnt Eltern zur Wachsamkeit.

Vorsitzender der Bischofskonferenz warnt vor „Akzeptanz einer Ideologie“

Erst am Montag betonte die Polnische Bischofskonferenz, Eltern sollten an Schulen „wachsam“ sein und Widerstand gegen Sexualkunde und „sogenannte Anti-Diskriminierungs-Erziehung“ leisten. Dazu stellte sie auch gleich die dazu gehörenden Musterformulare für Eltern bereit, um ihre Kinder von den entsprechenden Schulstunden fernzuhalten.

Vor einigen Wochen lehnte Bischofskonferenz-Vorsitzender Gadecki die „LGBT-Ideologie“ öffentlich ab, weil es diese seiner Meinung nach anstrebe, die „sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen“ zu revolutionieren. Er appellierte an polnische Abgeordnete, sich Plänen zur Öffnung der Ehe in Polen zu widersetzen.

Zwar seien auch Lesben und Schwule “unsere Brüder und Schwestern”, doch das dürfe nicht zur “Akzeptanz einer Ideologie” führen, die seiner Meinung nach anstrebe, die „sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen“ zu revolutionieren, so Gadecki in einer Erklärung.

Erzbischof von Krakau spricht von „Regenbogen-Pest“

Anlass für die Erklärung waren Äußerungen des Krakauer Erzbischofs Marek Jedraszewski. Dieser hatte in einer Predigt von einer „Regenbogen-Pest“ gesprochen und die LGBT-Community mit den kommunistischen Unterdrückern Polens verglichen. Das hatte auch in Polen zu Protesten geführt. Vot der Residenz des ständigen diplomatischen Vertreter des Heiligen Stuhls in Watschau forderten Demonstranten den sofortigen Rücktritt von Jedraszewski.

Doch Gadecki verteidigte die Äußerung seines Amtskollegen. Die Proteste zeigten einen gewissen “ideologischen Totalitarismus” gegenüber Andersdenkenden, gibt sich der oberste Kirchenfürst Polens in die Opferrolle.

Der Weihbischof von Plock bittet die Jungfrau Maria um Schutz gegen eine LGBT-Parade in seiner Stadt

Und die beiden Kirchenfürsten sind mit ihrer Meinung nicht alleine: Im Vorfeld des Gleichheitsmarsches in der 120.000 Einwohner zählenden Stadt Plock hatte deren Weihbischof Miroslaw Milewski sogar die „heilige Jungfrau“ Maria um Schutz vor der „kranken LGBT-Ideologie“ gebeten.

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen beim Gleichheitsmarsch von Bialystok, bei dem Hooligans die Teilnehmer der Demonstration unter anderem mit Flaschen, Pflastersteinen und Knallkörpern angegriffen hatten, erklärte die Polnische Bischofskonferenz danach, dass man zwar gegen Gewalt sei – betonte aber, das „volle Evangelium“ verkünden zu müssen.

Bei der Weihe eines restaurierten Marienbildes in der Stadt Radzymin bat der 48-Jährige die Jungfrau Maria, Polen „vor dem Bösen zu retten, das den Verstand und die Seelen der Polen erobern will“ und „junge Leute, die nach ihrer Identität suchen“ zu retten, damit sie „nicht von modischen Slogans über Freiheit und Toleranz verführt werden, die in Wirklichkeit zu Versklavung und Verderbtheit führen“.

Die LGBT-Version eines Marienheiligtums empört die katholische Kirche besonders

Besonders empört sich die römisch-katholische Kirche dabei über die angebliche Entweihung der „Schwarzen Madonna von Tschenstochau“, eines der wichtigsten Marienbilndisse Polens. Die Aktivistin Elzbieta Podlensa hatte im Mai für Schlagzeilen gesorgt, als sie auf einem Bild den goldenen Heiligenschein von Maria und Jesus durch die Farben der Regenbogenflagge ersetzt hatte.

Dafür wurde die 51-Jährige sogar festgenommen und mehrere Stunden lang von der Polizei wegen des Verdachts der “Veretzung religiöser Gefühle” befragt. Doch in der LGBT-Community ist die Regenbogenmadonna seitdem ein Hit. Es gibt unzählige Aufkleber und Plakate mit dem Motiv – sehr zum Leidwesen der römisch-katholischen Kirche.

Die Jungfrau Maria müsse vor dem „Ansturm halbnackter Menschen“ geschützt werden, fordert ein Bischof

Man schaue mit „Trauer und Schmerz“ auf das, was „unchristliche Menschen mit dem heiligen Bildnis“ getan hätten, erklärte der Plocker Weihbischof Milewski: Sie hätten „das Zeichen von Homosexuellen-Bewegungen“, um Marias Kopf gemalt, Videos davon im Internet veröffentlicht und „bei ihren unmoralischen Märschen“ gezeigt.

„Schütze sie vor dem Ansturm halbnackter Menschen auf den Straßen unserer polnischen Städte, die unter dem Motto der Gleichstellung der Geschlechter argumentieren, dass das Geschlecht zu jeder Zeit gewählt oder geändert werden könne“, so Milewski weiter.

Die römisch-katholische Kirche hat jede Menge Einfluss im konservativen Polen

Die römisch-katholische Kirche in Polen verfügt über bedeutenden Einfluss: So haben Medien und Politik diese Empörung sofort aufgenommen. So gab es Berichte über eine angebliche „Entweihung“ des Madonnenbildes, weil das Plakat etwa auf einem Toilettenhäuschen zu finden war. Mit in den Chor der Empörung stimmte die rechtskonservative Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) ein.

Deshalb sehen auch EU-Abgeordnete die Situation kritisch. „Während die polnische Regierung sowie Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche durch hasserfüllte und abwertende Sprache polnische LGBTI* diskriminieren, wenden Hooligangruppen aktiv Gewalt an. Trans*, Inter*, Lesben und Schwule sind in Polen nicht mehr sicher“, erklärte Rasmus Andresen, der für die deutschen Grünen im Europaparlament sitzt und am Gleichheitsmarsch von Plock teilgenommen hat.