Sechs Tage nach „Himberg Pride“: Schwules Paar erneut verspottet

Bei denen, die die Veranstaltung erreichen sollte, kam die Botschaft offenbar nicht an

Himberg Pride
Candy Licious/Facebook

Mit großem Aufwand hat die HOSI Wien am 7. September eine Pride-Parade im niederösterreichischen Himberg veranstaltet. Sie sollte ein Zeichen für Akzeptanz und Toleranz werden, nachdem ein schwules Paar in der Marktgemeinde von einigen Bewohnern gemobbt wurde. Die Pride selbst war ein Erfolg – doch für das betroffene Paar hat sich in dem Ort nicht viel geändert.

„Keine Spaßveranstaltung“ – und trotzdem machten sich auch nach der Pride Menschen über das schwule Paar lustig

„Wir sind keine Spaßveranstaltung“, erklärte Vienna-Pride-Veranstalterin Katharina Kacerovsky anlässlich der Parade in Himberg, zu der etwa 700 Teilnehmer kamen: Drag-Queens, Regenbogenflaggen, eine Abordnung von politischen Gruppen aber auch die LMC Vienna, Österreichs größter Community-Verein – alles, was zu einer Parade gehört, war vertreten, nur die großen Trucks fehlten.

Doch bei denen, die damit erreicht werden sollten, verfehlte der bunte Umzug offenbar seine Wirkung. Wie der Standard berichtet, wurde das schwule Paar, das von den Beschimpfungen betroffen war und so den Plan für die Pride ins Rollen gebracht hat, nur sechs Tage nach der Parade erneut beschimpft.

Von sechs Erwachsenen, die alkoholisiert wirkten, wurden die beiden Männer auf tiefstem Niveau verspottet

Der Vorfall ereignete sich ausgerechnet am Freitag, dem 13. September, gegen 22.30 Uhr zwischen der Kirche von Himberg und dem Spielplatz. Die beiden Männer sind an einer Gruppe von zwei Frauen und vier Männern vorbeigegangen. „Ein Mann ist auf uns zugekommen und ist vor uns tuntig herumgetänzelt mit den Worten, er übt das jetzt schon mal für uns, während die anderen gelacht haben“, schildern der 28-jährige Philipp V. und sein fünf Jahre jüngerer Freund Matthias F. dem Standard.

Dann hätte einer aus der Gruppe die beiden mit tuntiger Stimme gefragt: „Na, was ist mit euch beiden?“, während die anderen das Paar „dabei angeschaut und ausgelacht“ hätten. Für die Betroffenen war das „eine widerliche Szene“: „Sie wirkten alkoholisiert, so als wären sie vom Heurigen gekommen“, so der 28-Jährige.

Pride-Organisatorin verweist die Mobbing-Opfer an den Bürgermeister

Gegenüber dem Standard verurteilte Kacerovsky die Szene. Die Erfahrung zeige, „dass Lesben und Schwule, die sich wehren, leider mit solchen Angriffen rechnen müssen“. Sie empfiehlt dem Paar, sich an den Himberger Bürgermeister Ernst Wendl von der SPÖ zu wenden. Mit ihm könnten sie dann „nächste Schritte“ besprechen, wie etwa Veranstaltungen zum Thema Diskriminierung auf kommunaler Ebene.

Genau das hatte Wendl allerdings schon vor der Parade betont. Vorurteile gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten könne man „Nur gesellschaftlich beantworten“, erklärte er, nachdem die ersten homophoben Beschimpfungen in seiner Gemeinde öffentlich wurden. Nun bietet er dem Paar seine Hilfe an: „Natürlich, wenn so was passiert, bin ich bereit, die beiden zu unterstützen“, sagt er der Tageszeitung.