NÖ: Schwules Paar beschimpft, Bürgermeister fühlt sich nicht zuständig

Man könne solche Fragen "nur gesellschaftlich beantworten", so der Stadtchef

Händchenhalten
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Dass der Weg zu gesellschaftlicher Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Minderheiten noch weit ist, zeigt die Geschichte eines schwulen Paares, das in Himberg, einer 7.000 Einwohner zählenden Gemeinde im Wiener Speckgürtel, lebt.

„Mir kommt gleich das Speiben!“, rief ein Familienvater dem Paar lautstark vom Spielplatz zu

Wie die Tageszeitung Der Standard berichtet, wurden der 28-jährige Philipp V. und sein fünf Jahre jüngerer Verlobter Matthias (Namen von der Redaktion geändert) als offen schwules Paar geschnitten und beschimpft, wenn sie in ihrer Heimatgemeinde Hände haltend durch die Straßen spazieren.

„Passanten haben uns ausgelacht. Ein Motorradfahrer hat uns im Vorbeifahren ‚Ihr Schwuchteln!‘ zugerufen, ein Familienvater von einem Spielplatz aus lautstark ‚Mir kommt gleich das Speiben!‘ gebrüllt“, erinnert sich Philipp im Gespräch mit der Tageszeitung. „Das ist inakzeptabel“, ärgert er sich: Solche Vorkommnisse seien ein Ausdruck von Gewalt, sie stellen „eine Diskriminierung von Menschen auf offener Straße“ dar, macht der 28-Jährige klar.

Bürgermeister winkt ab: „Soll ich mit Lautsprechern durch den Ort fahren?“

Die Stadtverwaltung sehe dabei untätig zu, so der Betroffene. So wandte sich Philipp V. mit einem Offenen Brief an Ernst Wendl, SPÖ-Bürgermeister der Kleinstadt. „Ich fordere Sie auf, Haltung zu zeigen und sich öffentlich klar gegen Diskriminierung und Homophobie auszusprechen, wie sie derzeit in Himberg stattfinden“, so der verärgerte junge Mann.

Der Bürgermeister reagierte zunächst nicht, dann erst auf Nachfrage der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) – und das äußerst unbefriedigend: „Ich bin für Toleranz. Aber soll ich jetzt mit Lautsprechern durch den Ort fahren?“, antwortete er der Zeitung flapsig. Diese Aussage sei „skandalös“, empört sich der 28-Jährige. Sie offenbare „seine Ignoranz und Verständnislosigkeit“. 

Aufregung nur, weil der Beschimpfte vielleicht bei der Gemeinderatswahl kandidieren möchte?

Gegenüber dem Standard gibt sich der Stadtvater dann etwas diplomatischer. Er persönlich sei „allen gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber aufgeschlossen“, die Vorurteile könne man aber „nur gesellschaftlich beantworten“.

Dann begründet er das Engagement des jungen Mannes gegen Homophobie in der Speckgürtel-Gemeinde „mit dem anlaufenden niederösterreichischen Gemeinderatswahlkampf“ – schließlich überlege der 28-Jährige, in Himberg für die KPÖ zu kandidieren. Was das mit den homophoben Beschimpfungen seiner Gemeindebürger zu tun hat, verrät der Bürgermeister allerdings nicht.