Todesstrafe für Homosexuelle: LSVD fordert Boykott der Fußball-WM in Katar

"Ich erwarte vom DFB mehr als nur eine Regenbogenarmbinde"

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In einem Jahr findet in Katar die Fußball-WM statt. Nun wird die Kritik an dem Austragungsland immer lauter: So fordert jetzt der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der gesamten Gesellschaft, Stellung zur Lage sexueller Minderheiten in dem Emirat zu beziehen.

Katar verspricht Milde während der WM – doch was ist davor und danach?

Denn Homosexualität ist in Katar verboten, die LGBTI-Community hat keine Rechte: Wer öffentlich macht, schwul oder lesbisch zu sein, kann in dem Emirat mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden. Homosexuellen Muslimen droht nach der Scharia sogar die Todesstrafe. Und auch, wenn sich Katar der Außenwirkung bewusst ist und wahrscheinlich keine WM-Besucher mit Regenbogenflagge verhaften wird – im Jahr 2019 forderte WM-Organisations-Chef Hassan Al Thawadi homosexuelle Fans auf, „keine öffentliche Zuneigung zu zeigen“.

Mittlerweile hat Marketing-Chef Nasser Al-Khater auf YouTube verlautbart, die Regeln der FIFA einhalten zu wollen. „Wenn es um die Regenbogenflaggen in den Stadien geht, hat die FIFA ihre eigenen Richtlinien, sie haben ihre Regeln und Vorschriften. Welche das auch immer sein mögen, wir werden sie respektieren“, sagt er in dem Werbevideo. Ein Versprechen, von dem die LGBTI-Community in Katar wenig hat. LSVD-Bundesvorstandsmitglied Alfonso Pantisano fordert gegenüber dem Nachrichtenportal watson einen Boykott des Turniers.

„Menschenrechte gehen uns alle an“

„Wir müssen dem Regime in Katar den Geldhahn zudrehen. Wir haben die Wahl: nicht einschalten, nicht hinfahren, kein Geld ausgeben. Und zwar alle zusammen, nicht nur die LGBTIQ+-Community“, so der LGBTI-Aktivist weiter: „Denn Menschenrechte gehen uns alle an und sind ein Thema für die gesamte Gesellschaft und nicht nur von vermeintlichen Minderheiten.“

Dem DFB schreibt Pantisano ins Stammbuch: „Haltung zeigt sich nicht, indem man gerade steht auf dem Fußballplatz. Haltung zeigt sich darin, dass man stehen bleibt und kein Territorium betritt, das mit Blick auf die Menschenrechte ein Minenfeld ist. Ich erwarte vom DFB mehr als nur eine Regenbogenarmbinde.“ Denn: „Katar geht nicht nur Schwule und Lesben etwas an, Katar stellt uns alle vor die Frage, für welchen Preis sind wir bereit unsere Haltung zu verkaufen“, so der Aktivist weiter.

Pantisano ist mit seiner Meinung nicht alleine. Auch der frisch geoutete australische Profi-Fußballer Josh Cavallo kritisiert das WM-Gastgeberland scharf. Im Guardian-Podcast sagte er auf die Frage, ob er nach Katar gehen würde, wenn er in die australische Nationalmannschaft nominiert werden würde: „Ich habe so etwas gelesen, dass es die Todesstrafe für homosexuelle Menschen in Katar gibt. Das ist also etwas, was mir große Angst macht und ich würde nicht wirklich nach Katar gehen wollen.“