Montag, 24. Juni 2024
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Kanada: Parlament einstimmig für Verbot von „Homo-Heilungen“

„Das können wir schaffen, wenn das Parlament zusammenarbeitet“

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Das kanadische Unterhaus hat am Mittwoch einstimmig für das Verbot von „Konversionstherapien“ gestimmt. Dabei handelt es sich um medizinisch nutzlose Behandlungen, welche die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von Menschen mutwillig ändern wollen. Nun muss das Gesetz noch vom Senat bestätigt werden.

Applaus im Sitzungssaal und spontane Umarmungen

Das Gesetz wurde bereits im Juni von den Liberalen eingebracht, allerdings konnte es der Senat vor den Wahlen im September nicht mehr bestätigen. Deshalb musste nun ein aktualisierter Entwurf des Gesetzes eingebracht werden. Auf Antrag des konservativen Abgeordneten Rob Moore konnte das Gesetz in einem vereinfachten Verfahren beschlossen werden.

Nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses spielten sich im kanadischen Unterhaus emotionale Szenen ab: Wie der öffentlich-rechtliche Sender CBC berichtet, brach nach der Abstimmung Applaus im Sitzungssaal aus. Liberale Abgeordnete gingen zu ihren konservativen Kollegen, schüttelten ihnen die Hand oder umarmten sie sogar.

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„Niemand anderer wird das durchmachen, was sie durchgemacht haben“

Der offen schwule Justizminister und Generalstaatsanwalt David Lametti sagte nach der Abstimmung, es sei „ein wichtiger Tag, um zu lieben, wen man lieben will“, und betonte: „Das können wir schaffen, wenn das Parlament zusammenarbeitet.“

Tourismusminister Randy Boissonnault, der auch Sonderberater von Premierminister Justin Trudeau in LGBTI-Fragen ist, betonte: „Es ist ein großartiger Tag für Überlebende, wenn sie wissen, dass niemand anderer das durchmachen wird, was sie durchgemacht haben.“

Die einstimmige Unterstützung der Konservativen kam überraschend

Erin O’Tool, Parteichefin der Konservativen, hatte die Abstimmung im Vorfeld für ihre Abgeordneten freigegeben. Dass das Gesetz nun einstimmig verabschiedet wurde, kam allerdings überraschend, wie der liberale Abgeordnete Seamus O’Regan zugeben musste. Denn die vorige Version des Gesetzes bekam noch 62 Gegenstimmen der konservativen Abgeordneten.

Einige Konservative hatten im Vorfeld der Abstimmung befürchtet, dass das Gesetz private Gespräche über Sexualität oder Geschlechtsidentität zwischen Kindern und Eltern, Lehrern, Geistlichen oder Psychologen kriminalisieren könnte.

„Niemand kann Folter zustimmen“

Nach dem nun beschlossenen Gesetz ist es nun in Kanada illegal, ein Kind diesen Praktiken auszusetzen oder jemanden dazu zu zwingen. Die umstrittenen „Behandlungen“ finden oft im Verborgenen statt und können auch Elektroschocks, Schläge, Drogen und sogar Exorzismus beinhalten.

„Diese Dinge passierten und passieren an dunklen Orten in unserem Land, und das muss aufhören“, erklärte Boissonnault und bekräftigte: „Niemand kann Folter zustimmen.“