Italien: Wahl-Favoritin gegen Adoption für gleichgeschlechtliche Paare

Giorgia Meloni sagt "ja zur natürlichen Familie" und will Kinder "schützen"

Giorgia Meloni
CPAC 2022/Hermann Tertsch, Victor Gonzalez - CC 0 1.0

In knapp zwei Wochen wählt Italien – nun positioniert sich Giorgia Meloni, rechtspopulistische Favoritin für das Amt der Ministerpräsidentin, als Kandidatin für “wahre Werte” und gegen Regenbogenfamilien.

„Kindern, die schon Pech gehabt haben, soll man das Bestmögliche bieten“

In einem Debattenduell der renommierten Tageszeitung Corriere della Sera mit Enrico Letta, dem Spitzenkandidaten der Mitte-Links-Allianz, positionierte sich Meloni, Parteichefin der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) am Montag gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.

“Ich glaube, dass man den Kindern, die ohnehin schon Pech gehabt haben, das Bestmögliche bieten soll”, so die Politikerin – und das heiße, “einen Vater und eine Mutter zu haben, Stabilität in der Beziehung, das, was unser Gesetz vorschreibt”.

Der Linke Spitzenkandidat Enrico Letta bietet Meloni Paroli

Als Letta erwiderte, dass Kinder vor allem Liebe benötigten, antwortete Meloni, Liebe spiele hier keine Rolle. Woraufhin der Spitzenkandidat der Mitte-links-Allianz sagte: „Ganz genau, aber du bist dabei, Liebe zu normen, indem zu sagst, was Liebe ist und was nicht.“

In Italien ist schwulen und lesbischen Paaren lediglich die Stiefkindadoption gestattet, also dass einer der Partner des homosexuellen Paares das leibliche Kind des anderen adoptiert. Die Adoption fremder Kinder durch gleichgeschlechtliche Paare ist in Italien nicht möglich.

Giorgia Meloni: „Nein zur LGBT-Lobby!“

Es ist nicht das erste Mal, dass Meloni gegen sexuelle Minderheiten positioniert. Erst im Juni brüllte sie bei einem Gastauftritt bei der rechtsextremen spanischen Partei Vox: “Ja zur natürlichen Familie! Nein zur LGBT-Lobby!”

Italien wählt am 25. September ein neues Parlament. Meloni ist die Spitzenkandidatin der Mitte-rechts-Allianz, der auch die rechtspopulistische Lega und die Berlusconi-Partei Forza Italia angehören. Sie gilt als Favoritin für einen Wahlsieg, eine Mehrheit im Parlament wirkt wahrscheinlich.