Montag, 17. Juni 2024
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Schwuler Newcomer Stefanos Kasselakis führt griechische Opposition an

Bekommt Griechenland nach der nächsten Wahl einen offen schwulen Regierungschef? Bei der Wahl zum Vorsitzenden der griechischen Linkspartei Syriza hat sich der 35 Jahre alte Stefanos Kasselakis durchgesetzt.

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Bis vor wenigen Wochen war Stefanos Kasselakis in Griechenland noch unbekannt – jetzt beerbt er Ex-Premier Alexis Tsipras als Vorsitzender der ehemaligen Regierungspartei „Bündnis der Radikalen Linken“ (Syriza). Dabei hat der 35-Jährige einen Lebenslauf, der ihn auf den ersten Blick nicht gerade zum Führer des linken Lagers prädestiniert.

Mit 14 wanderte er in die USA aus

So wurde Kasselakis zwar in Athen geboren, wanderte aber mit einem Hochbegabtenstipendium in die USA aus, als er 14 war. Bis vor kurzem lebte er – und das ist für griechische Verhältnisse besonders – mit seinem Lebenspartner Tyler McBeth in Miami im US-Bundesstaat Florida. Die beiden haben seit 2019 eine Eingetragene Partnerschaft. Am Abend des Wahlsieges hatte er sich auch bei ihm öffentlich bedankt.

In Interviews hat er bereits gesagt, dass sein Partner und er sich einen Kinderwunsch mit der Hilfe einer Leihmutter erfüllen wollten. „Das griechische Volk ist bereit, einen fähigen, unbestechlichen und unversehrten Ministerpräsidenten zu haben, der zufällig schwul ist“, so Kasselakis im Wahlkampf.

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Und so soll aus der griechischen Gesetzgebung „die fortschrittlichste der europäischen Länder in allen Fragen der Gleichstellung und des Schutzes für Frauen, Alleinerziehende, Behinderte sowie LGBTQ+-Personen“ werden, wie er in einem anderen Interview sagte.

Vom Investmentbanker zum Parteichef der Linken

Und so, wie sein Privatleben nicht zu einem Politiker im konservativen Griechenland passt, passt seine Karriere nicht zu einem Linkspolitiker. Vor den Präsidentschaftswahlen 2008 war der Unternehmersohn aus einem Athener Vorort als Freiwilliger im Stab des damaligen Senators und heutigen US-Präsidenten Joe Biden.

Mit 21 arbeitete er als Rohstoffhändler für die Investmentbank Goldman Sachs. Dort habe er nach drei Jahren „die Arroganz des Kapitalismus“ verstanden und habe gekündigt, sagt er heute. Anschließend machte der geläuterte Banker als Reeder des Schiffseigners SwiftBulk Millionen.

Zuletzt hat Syriza an den Wahlurnen geschwächelt

An der Basis hat Kasselakis eine große Fangemeinde. In der Nacht zum Montag wurde er mit Sprechchören wie „Stefanos, sei stark, damit die Rechte fällt“ vor der Parteizentrale begrüßt. „Heute hat das Licht und die kollektive Hoffnung gesiegt“, erwiderte er, und betonte: „Ich bin die Stimme der Gesellschaft.“ Seine Vision: „Lasst uns Griechenland zu einem progressiven, modernen, europäischen Land machen! Es ist in euren Händen!“

Bei den letzten griechischen Parlamentswahlen im Juni erreichte die Syriza mit 17,83 Stimmen nur Platz drei. Vorsitzender Alexis Tsipras hatte daraufhin seinen Rücktritt angekündigt, der am Montag vollzogen wurde. Gewonnen hatte damals die konservative Partei Nea Dimokratia: Mit 40,56 Prozent der Stimmen sicherte sich Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis die absolute Mehrheit.