Freitag, 19. April 2024
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Was ist ein „Gaydar“? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Idee, die sexuelle Orientierung einer Person auf den ersten Blick zu erkennen, stößt in der Wissenschaft auf Skepsis - nicht nur wegen der Förderung von Stereotypen.

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Das Phänomen des „Gaydar“, eine Wortschöpfung aus „Gay“ und Radar“, wird auf Deutsch auch gerne als „Schwulenradar“ bezeichnet. Es basiert darauf, angeblich allein durch das Betrachten einer Person deren sexuelle Orientierung feststellen zu können. Es findet sich sogar im Namen einer bekannten Dating-Website für schwule und bisexuelle Männer. Doch wie zuverlässig ist das Gaydar wirklich und welche Auswirkungen hat die Annahme seiner Existenz?

Die Wissenschaft kritisiert den Gaydar-Mythos

Eine Studie der University of Wisconsin-Madison aus dem Jahr 2015, veröffentlicht im renommierten Journal of Sex Research, hinterfragt den Gaydar-Mythos kritisch. Die Forscher um William Cox fanden heraus, dass viele diese Vorstellung zwar für harmlos halten, es sich dabei aber tatsächlich um eine Stereotypisierung handelt – nur in einer subtileren Form.

Cox führt aus, dass viele Menschen Stereotypen prinzipiell ablehnen, diese aber als Gaydar gesellschaftlich und persönlich als akzeptabler angesehen werden. Durch die Einteilung der Studienteilnehmer:innen in verschiedene Gruppen konnte Cox zeigen: Die Vorstellung eines funktionierenden Gaydars führt dazu, dass Menschen verstärkt auf eigene stereotype Annahmen zurückgreifen.

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Fehlinterpretationen durch Gaydar

Besonders die Gruppe, die daran glaubte, dass es einen Gaydar gibt, machte vermehrt stereotype Zuschreibungen wie „er geht gerne shoppen“ oder „er ist emotional sensibel“. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass das Konzept des Gaydars eher dazu beiträgt, Stereotypen zu zementieren, als sie zu überwinden.

Cox weist zudem darauf hin, dass das Gaydar-Konzept oft missbraucht wird, da queere Personen nach wie vor nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen. „Stellen Sie sich vor, dass 100 Prozent der schwulen Männer und 10 Prozent der heterosexuellen Männer ständig rosa Hemden tragen. Auch wenn alle Schwulen rosa Hemden tragen, gäbe es immer noch doppelt so viele Heteros, die rosa Hemden tragen“, erklärt er. Das zeige, dass eine auf stereotypen Merkmalen basierende Einschätzung der sexuellen Orientierung in den meisten Fällen unzutreffend ist.

Auch Politiker treten mit dem Gaydar ins Fettnäpfchen

Doch nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der öffentlichen Debatte sorgt die Idee eines Gaydars für Kontroversen. So geriet im Jahr 2014 der ehemalige demokratische Gouverneur von Montana, Brian Schweitzer, in die Kritik, weil er behauptete, dass Männer aus dem Süden des Landes „seinen Schwulenradar auslösen“.

Wörtlich sagte Schweitzer: „Nehmen Sie mir das nicht übel, aber ich werde es offen aussprechen. Wie soll ich das sagen… die Männer im Süden sind ein wenig verweichlicht. Sie haben einfach verweichlichte Züge. Ich würde sagen – und ich habe kein Problem mit schwulen Menschen, das ist in Ordnung – aber mein Gaydar liegt bei 60-70 Prozent.“

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