Dienstag, 18. Juni 2024
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QWIEN zieht um: Mehr Platz für queere Geschichte

Kisten packen heißt es für QWIEN, das Zentrum für queere Stadtgeschichte: Der Umzug in größere Räumlichkeiten soll auch mit einer Neupositionierung einhergehen.

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Bis jetzt war QWIEN, das Zentrum für queere Geschichte in der Großen Neugasse auf der Wieden zu finden. Geöffnet war es vor allem für ein interessiertes Fachpublikum – die Räumlichkeiten platzten schon seit längerem aus allen Nähten.

Von der Wieden geht’s für QWIEN nach Margareten

Doch das wird sich ändern: QWIEN zieht in die Räume der ehemaligen Druckerei Walla in der Ramperstorffergasse 39 und damit auch in den fünften Bezirk. Mit dem Umzug geht eine Neuaufstellung und Neupositionierung als Leuchtturmprojekt für die Diversität der Stadt Wien einher, das auch von Tourist:innen verstärkt wahrgenommen werden soll.

„Mit dem neuen Standort schließen wir in die internationale Liga queerer Archive und Museen auf. Berlin hat das ‚Schwule Museum‘, Amsterdam mit dem ‚IHLIA LGBTI Heritage‘ die älteste und größte Institution dieser Art, aber mit dem neuen Standort wird auch Wien ein sowohl nach innen wirkendes als auch touristisch interessantes Landmark bekommen“, freuen sich Andreas Brunner und Hannes Sulzenbacher, die Co-Leiter von QWIEN.

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Mehr Platz – auch für Ausstellungen und Veranstaltungen

Damit gibt es für QWIEN deutlich mehr Platz für Kultur-, Integrations- und Bildungsarbeit. Der neue Standort gebe dem Team „auch die Möglichkeit unser Angebot mit kleineren Veranstaltungen, vor allem aber Ausstellungen auszuweiten“ Das sei gerade in einer Zeit wichtig, „in der queere Themen wieder vermehrt zum politischen Spielball rechter Ideologien und Parteien werden“, so Brunner und Sulzenbacher.

Freude über den neuen Standort gibt es auch in der Community: „Der Verein sammelt, archiviert und beforscht die queere Geschichte Wiens und Österreichs seit beinahe fünfzehn Jahren. Und das auf hohem Niveau: So, wie es Wien als Metropole und als Regenbogenhauptstadt gebührt“, so Wolfgang Wilhelm, Leiter der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt).

Mehr als 8000 Bücher und 500 Zeitschriften zu queeren Themen

QWIEN betreibt eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek mit mehr als 8.000 Titeln zu queeren Themen sowie mit über 500 Titeln aus über 50 Ländern, die umfangreichste Sammlung an queeren Zeitschriften in Österreich, die einen Zeitraum von den 1950er Jahren bis heute abdecken.

Im QWIEN-Archiv werden persönliche und institutionelle Zeugnisse zur queeren Kultur und Geschichte verwahrt. Dazu gehören Materialien bekannter Persönlichkeiten, aber auch private Nachlässe und Sammlungen von Institutionen.

Ebenso sind Materialien zur jüngeren queeren Geschichte Teil des Bestandes. Teilsammlungen von Forschungsnachlässen erlauben einen Einblick in Lebenswelten von den 1950er bis in die 1970er Jahre. Mit der Übernahme des Archivs der Aids-Hilfe Wien und des Buddy Vereins stellt QWIEN die umfassendste Sammlung zu Aids in österreichischen Archiven für die Forschung zur Verfügung.

Zentrales Forschungfeld: Verfolgung homosexueller und trans Personen im Nationalsozialismus

Ein zentrales Forschungsfeld ist die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung von Homosexuellen und trans Personen. Mit Unterstützung des Nationalfonds der Republik für die Opfer des Nationalsozialismus und des Zukunftsfonds Österreich hat QWIEN eine Datenbank zur „Namentlichen Erfassung der homosexuellen und transgender Opfer des Nationalsozialismus in Wien“ erstellt, die seit dem Abschluss vor allem der universitären Forschung zur Verfügung steht.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld des Vereins ist die Sensibilisierungs- und Bildungstätigkeit. Dazu gehören queere Stadtspaziergänge, die die queere Geschichte Wiens unmittelbar und niederschwellig erlebbar machen. Auf internationaler Ebene wurde die Ausstellung „To be seen“ im NS-Dokumentationszentrum München wissenschaftlich beraten.