Helmut Graupner ein Opfer deutscher Konservativer

Erschüttert ist der bekannte Wiener Community-Anwalt Helmut Graupner über Artikel, die derzeit in konservatien deutschen Wochenzeitungen über ihn veröffentlicht wurden. Wie GGG.at berichtet hat, stellte ihn Georg Ehrmann, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagsteitung“ (F.A.S.) in die Nähe von Pädophilen.

Hintergrund des Konfliktes ist eine geplante Verfassungsänderung: SPD, Grüne und Linkspartei wollen, dass die sexuelle Identität als besonderes Schutzmerkmal in Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes aufgenommen wird. Die konservativen Parteien wollen das verhindern. So erklärte der von der CDU bestellte Gutachter Winfried Kluth unter anderem, der Schutz von Lesben und Schwulen in der deutschen Verfassung würde Muslimen das Bekenntnis zur dieser „zusätzlich und erheblich“ erschweren. Ein von der FDP bestellter Sachverständiger fürchtete, mit einem Schutz der sexuellen Identität könne gar die Polygamie in Deutschland Einzug halten.

Auch Graupner wurde als Sachverständiger geladen, diesmal von der Linkspartei. Damit wurde er für die Konservativen zur Zielscheibe. So zitiert die F.A.S. einen Artikel Graupners aus dem Jahr 1999, um so sein Wohlwollen gegenüber Pädophile abzuleiten. Allerdings „ist darin in keiner Weise (…) ein Plädoyer für eine Straffreiheit von Pädophilie oder für ein Recht auf pädophile Kontakte enthalten“, betont Graupner gegenüber GGG.at: „Ganz im Gegenteil arbeite ich darin sogar die grundrechtliche Verpflichtung zur Kriminalisierung pädophiler Kontakte heraus.“ Einen Vorschlag an Antje Schmelcher, die Autorin des F.A.S.-Artikels, durch die Formulierung „homo- oder heterosexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität“ jeden Zweifel eindeutig auszuräumen, ignorierte diese.

„Besonders bemerkenswert finde ich, dass die heftigen Angriffe auf mich gerade jetzt kommen, wo es um den grundgesetzlichen Schutz von homo- und bisexuellen Menschen geht“, ärgert sich Graupner. Als er im Jahr 2007 zu einer Anhörung im Bundestag geladen war, in der es um sexualstrafrechtlichen Jugendschutz ging, gab es keine Kritik an seiner Person.

Auch, wenn Graupner diesmal von der deutschen Linkspartei nominiert wurde, betont er seine Parteiunabhängigkeit: „Dass ich diesmal von der Linken nominiert wurde, sagt übrigens in keiner Weise etwas über meine politische Einstellung aus oder darüber, dass ich deren politische Positionen teilen würde.“ Die nachgesagte Nähe zu einem politischen Lager ist für ihn nach 25 Jahren Engagement in der Lesben- und Schwulenbewegung nicht neu: „Einmal war ich der Rote, weil ich Einladungen der SPÖ gefolgt bin, dann wieder ein Grüner, weil ich mit den Grünen zusammengearbeitet habe. Auch dass das Rechtskomitee Lambda der Rechtsausleger der Bewegung sei, wurde uns vorgeworfen, weil wir seinerzeit mit Jörg Haider und jetzt mit Strache reden und die FPÖ-Obfrau Riess-Passer in unserem Kuratorium saß. Wir sind schlicht überparteilich und ich würde auch als Sachverständiger auftreten, wenn mich CDU/CSU oder die FDP – oder in Österreich, ÖVP, BZÖ oder FPÖ – nominieren“, lässt er sich bei seinem Kampf für gleiche Rechte nicht beirren.