Regenbogenparade wieder im Aufwind

Der Höhepunkt des lesbischwulen Jahres in Wien nähert sich wieder seiner Höchstform. Mehr als 110.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter am Samstag die 16. Regenbogenparade gesehen oder an ihr teilgenommen. Die Schlußveranstaltung, die heuer erstmals auf dem Rathausplatz stattfand, wurde allerdings ein Opfer des Regens.

Doch zuvor gab die Parade, die heuer unter dem Motto „Show your face“ stand, ein sehr kräftiges Lebenszeichen von sich. Denn nach einer Pause waren heuer auch wieder namhafte Szenelokale wie das „Why Not“ mit Felixx, Mango und Sportsauna mit einem eigenen Wagen vertreten. Das machte die Parade lauter, bunter und lebendiger. Andere Vereine und Lokale, die in den letzten Jahren zum Fixprogramm der Parade gehörten, warteten aber offenbar noch ab. Einer der wenigen Wermutstropfen: der Truck eines Spirituosenherstellers ignorierte die traditionelle Gedenkminute für die AIDS-Opfer um 17 Uhr.

Dafür wurde mit einer anderen Tradition gebrochen: um eine ausreichend lange Route zusammenzubringen, die am Rathaus endet, führte die Regenbogenparade heuer – anders als in den vergangenen Jahren – in Fahrtrichtung der Ringstraße. Bis jetzt gingen die Paraden immer gegen die Fahrtrichtung, also „andersrum“. Bei einigen Teilnehmern löste diese Entscheidung Unmut aus – vielleicht ist sie aber auch ein Zeichen, dass die Lesben- und Schwulenbewegung im Mainstream angekommen ist.

Christian Högl, Obmann der veranstaltenden HOSI Wien, erklärte, diese Änderung habe „administrative Gründe“. Außerdem wollte man „als politisches Zeichen“ am Parlament vorbeimarschieren. Ob die Route auch im kommenden Jahr so beibehalten werde, hänge davon ab, ob die Schlusskundgebung wieder am Rathausplatz stattfinde.

Bei der verregneten Abschlusskundgebung am Rathausplatz setzten sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ und die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou dafür ein, dass gleichgeschlechtliche Paare am Standesamt heiraten dürfen.

Die offen lesbische EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek von den Grünen rief die verbliebenen Zuhörer auf, gemeinsam zu kämpfen, dass „wir den Platz in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr verlieren“. Die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger unterstrich bei der Abschlusskundgebung: „Gemeinsam zeigen wir heute Haltung gegen Homophobie und Transphobie.“