Nordzypern stellt zwei Männer wegen Homosexualität vor Gericht

Im türkisch regierten Nordzypern stehen erneut zwei Männer wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen vor Gericht.

Sie sollen an „widernatürlichen Handlungen“ teilgenommen haben. Nordzypern ist der letzte Teil Europas, in dem Homosexualität ein Verbrechen ist. Gleichgeschlechtlicher Sex kann dort mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden, der Versuch mit drei Jahren.

Wie türkische Medien berichten, waren die Männer, davon ein Nigerianer, bereits wegen anderer Vergehen in Haft, bevor sie am 29. Jänner wegen der „widernatürlichen Handlungen“ erneut vor Gericht standen. Sie hatten keine Anwälte, die sie verteidigten.

Die LGBT Intergroup im Europäischen Parlament glaubt nun, dass die Ankündigungen der nordzypiriotischen Regierung, Homosexualität zu legalisieren, nicht mehr als heiße Luft waren. Eleni Theocharous, Europaparlamentarierin aus dem griechischen Südteil der Insel, macht klar: „Die Verurteilung von Menschen nur wegen ihrer sexuellen Vorliebe zeigt eine geschmacklose Verletzung von grundlegenden Menschenrechten.“ Sie fordert die nordzypriotische Regierung auf, die beiden Männer sofort freizulassen und nicht mehr zu verfolgen.

Der von Türken bewohnte Nordteil von Zypern hat sich nach dem Einmarsch von Truppen aus dem türkischen Festland einseitig abgespalten. Außer der Türkei hat auch kein anderes Land Nordzypern anerkannt. Die vorwiegend von Griechen bewohnte Republik Zypern im Süden ist allerdings seit 2004 Mitglied der EU.

Es gibt immer wieder Verhandlungen zu einer Vereinigung der beiden Inselteile. Dabei dürfte der Norden Homosexualität als Druckmittel erkannt haben: So wurde vor wenigen Monaten der ehemalige südzypriotische Finanzminister Michalis Sarris, einer der wichtigsten Verhandler, im Norden wegen Homosexualität festgenommen. Gegen die Zahlung einer Kaution in der Höhe von etwa 50.000 Euro wurde er freigelassen und flüchtete in den Süden, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen bereits seit 1998 legal sind.