Dienstag, 28. Mai 2024
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Prozess nach Hamam-Razzia in Kairo: Anwälte kritisieren Beweislage

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Schwere Vorwürfe erheben die Verteidiger jener 26 Männer, die bei einer Razzia in einem Hamam in Kairo als schwul festgenommen wurden. Auch, wenn Homosexualität in Ägypten offiziell nicht verboten ist, drohen ihnen nun wegen „Ausschweifungen“ und „schamlosen öffentlichen Akten“ jahrelange Haftstrafen.

Doch die Beweise seien fehlerhaft und die Anklage beruhe nur auf einer Zeugenaussage, die ein Polizist gemacht hat, so die Anwälte. Sie kritisieren auch, dass die ägyptische Presse über die Razzia informiert war: Die Fernsehjournalistin Mona Iraqi war dabei, als die Männer nackt aus dem Badehaus geholt wurden.

Diese Aufnahmen seien verfassungswidrig, weil sie das Recht auf Privatsphäre verletzen, so der Verteidiger Islam Kalifa. Durch die Anwesenheit der Kameras seien die Angeklagten und ihre Familien „verleumdet und gefährdet“ worden, da Homosexualität in weiten Teilen Ägyptens noch immer stigmatisiert ist.

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Der Prozess begann am 21. Dezember und wurde gestern in Kairo fortgesetzt. Die Angeklagten standen in einem engen Käfig, einige verbargen ihre Gesichter unter Kapuzen, um nicht erkannt zu werden. Zwei der Männer weinten in Anwesenheit der Journalisten. Die öffentlichen Verhaftungen hätten die Beschuldigten traumatisiert, so Kalifa weiter.

Von den 26 Angeklagten wurden 21 medizinisch auf Spuren von Analverkehr untersucht. Bei drei von ihnen wurden Verletzungen festgestellt, die „weiter untersucht werden müssten“, so Verteidiger Tarek al-Awadi.

Angehörige der Angeklagten wurden nicht in den Gerichtssaal gelassen. Sie forderten Freisprüche und beteuerten die Unschuld ihrer Verwandten: Nach dem gestrigen Verhandlungstag schrien einige, als die Männer zurück ins Gefängnis gebracht wurden: „Ihr seid Männer, ihr seid Männer“ – und einer rief: „Wir sind unschuldig, wir werden verleumdet! Niemand in unserer Familie ist schwul.“ Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Die Razzia gilt als einer der schwersten Angriffe der ägyptischen Regierung auf Homosexuelle seit mehr als zehn Jahren. In den letzten Monaten haben sich aber Aktionen gegen schwule Männer gehäuft: So wurde eine Gruppe Männer, die angeblich auf einer Nilkreuzfahrt eine „Homo-Hochzeit“ gefeiert haben soll, zu einem Jahr Haft verurteilt.