Kiew: Mehr als 20 Verletzte bei Pride-Marsch

Der „Marsch für Gleichberechtigung“, bei dem Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und ihre Unterstützer in der ukrainischen Hauptstadt Kiew für mehr Rechte demonstrierten, endete am Samstag mit Zusammenstößen. Mindestens zwanzig Menschen sollen dabei verletzt worden sein, als die etwa 200 Teilnehmer und die sie schützenden Polizisten von Anhängern der ultrarechten Organisation „Rechter Sektor“ (Prawy Sektor) angegriffen wurden.

Der Marsch dauerte nur zehn Minuten. Schon zuvor hatten sich etwa zwanzig Mitglieder des Rechten Sektors in der Nähe versammelt, die meisten von ihnen trugen schwarze Masken und mit Knüppeln bewaffnet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah in der Nähe auch einen schwarz-roten Kleinbus mit einem Logo der Organisation.

Die teils Vermummten versuchten, den „Marsch für Gleichberechtigung“ von Anfang an zu verhindern. Dazu warfen sie mit Knallkörpern, Leuchtraketen, Steinen und Mülltonnen auf die Teilnehmer und die Polizei. Dabei wurden neun Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ wurden etwa zehn der Teilnehmer verletzt. Auch ein ultranationalistischer Gegendemonstrant soll verletzt worden sein. Etwa 25 Menschen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen.

An dem „Marsch für Gleichberechtigung“ nahmen neben Vertretern der ukrainischen LGBT-Bewegung auch ukrainische Parlamentsabgeordnete und Vertreter von Menschenrechts-Organisationen teil. Auch eine Delegation aus München, der Partnerstadt Kiews, Aktivisten aus Montreal und eine EU-Abgeordnete waren unter den Teilnehmern.

Im Vorfeld des Marsches hat Bürgermeister Vital Klitschko die Veranstalter aufgefordert, nach Gewaltdrohungen die Veranstaltung abzusagen. Präsident Petro Poroschenko hatte daraufhin die Demonstration verteidigt. „Ich persönlich werde nicht am Marsch für Gleichberechtigung teilnehmen, aber ich kann keine Hindernisse sehen, die ihn verhindern könnten, denn es geht um das Grundrecht eines jeden ukrainischen Bürgers“, so der ukrainische Präsident.

Aus Sicherheitsgründen fand die Veranstaltung nicht in der Innenstadt, sondern außerhalb, beim Dnepr-Fluss, statt. Der genaue Ort der Veranstaltung wurde den Teilnehmern erst in der Nacht zuvor per E-Mail mitgeteilt.

Der „Marsch für Gleichberechtigung“ am Samstag ist der Höhepunkt der „Kiew Pride Week“. Er ist erst der zweite seiner Art in der Ukraine. Im Vorjahr haben die Veranstalter eine ähnliche Empfehlung von Klitschko befolgt. Homophobie ist in dem ehemals sowjetischen Staat weit verbreitet.