Dienstag, 28. Mai 2024
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Deutschland: Neonazis jagen Schwule

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Sie sehen sich als selbst ernannte Bewahrer von „Recht, Sicherheit und Ordnung“: „Die Rechte“, eine nationalistische Partei im Dortmunder Stadtrat. Nun machen sie Jagd auf schwule Männer.

Als „Bürgerwehr“ schüchtern die Rechten schwule Männer ein: Auf dem Autobahnparkplatz Kirchlinde an der A45, der als Cruising-Ort bekannt ist, stellen sie sich vor Einbruch der Dunkelheit auf und fragen die Anwesenden: „Sind Sie vielleicht homosexuell und haben hier manchmal Geschlechtsverkehr, verbotenen?“ Denn: Die Zeit „unbeschwerter gleichgeschlechtlicher Freizügigkeiten“ sei vorbei, erklären die Männer auf einem selbstgedrehten YouTube-Video: „Wir sind vom ‚Stadtschutz Dortmund‘ und sorgen hier für Sicherheit, Recht und Ordnung.“ Die betroffenen Männer sind dabei teilweise zu erkennen – und werden so noch einmal an den Pranger gestellt.

Denn: „Die Polizei hält es nicht für nötig, das zu ahnden“, erklärt einer der Rechten in dem Video. Daher werde man „notfalls Recht, Sicherheit und Ordnung im Rahmen der geltenden Ordnung selbst durchsetzen“. „Im Rahmen der geltenden Ordnung“ – das klingt aus dem Mund der Herren in ihren gelben T-Shirts fast wie eine Drohung. Mindestens fünf Rechte kämmen das Waldstück beim Parkplatz nach unschuldigen Cruisern durch – natürlich mit Handschuhen: „Zur Sicherheit, falls uns irgendwer angreift. Weil ich hab auch keinen Bock auf Krankheiten.“, erklärt einer der Männer.

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Die Männer, die sie dort treffen, haben zwar keinen Sex – von den Rechten werden sie aber trotzdem belehrt, dass diese Handlungen illegal wären. Mit ihrer Aktion ist die selbsternannte Bürgerwehr zufrieden: „Wir haben ein paar Homosexuelle zwar nicht in flagranti erwischt, aber dennoch haben wir zwei, drei Homosexuelle aufgeklärt, dass sie die Straftaten hier unterlassen sollen“, erklärt einer der Rechten am Ende des Videos. Immerhin gehe es um den Schutz von Kindern – auch, wenn diese in der Dämmerung sicher nicht alleine im Wald bei einem Autobahnparkplatz zu finden sind.

uf der Webseite der Dortmunder „Rechten“ heißt es, man habe den „Rundgang“ durchgeführt, „um Unruhe in der Szene zu stiften und deutlich zu machen, dass Kirchlinde zukünftig kein ruhiges Pflaster bleiben wird“. Die „nationalen Aktivisten“ seien als „störender Faktor wahrgenommen“ worden. Und das soll nicht die einzige Aktion gewesen sein: „Weitere Aktionen am Parkplatz Kirchlinde werden folgen, bis sich herumspricht, dass die Zeit der unbeschwerten, gleichgeschlechtlichen Freizügigkeiten vorbei ist.“

Man werde „dafür sorgen, (…) dass auch Straftaten wie Erregung öffentlichen Ärgernisses geahndet werden, selbst wenn sich die Politik nicht dazu bemüßigt fühlt, das irgendwie aufzugreifen, weil es vielleicht inkorrekt ist, gegen Minderheiten vorzugehen“, erklärt auch einer der Männer im Video.

Eine Stellungnahme des zuständigen Innenministers von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger von der SPD, zu den Einschüchterungen der Rechten steht noch aus. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, hat unterdessen einer Pressemitteilung gefordert, den „Stadtschutz“ der Neonazis „entschieden in die Schranken“ zu weisen: „Der Staat muss sein Gewaltmonopol verteidigen und gegen selbsternannte Ordnungshüter entschieden vorgehen.“

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