Sonntag, 14. April 2024
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ÖVP Wien gegen Plakate für Toleranz an Schulen

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Bei der Podiumsdiskussion der HOSI Wien zur Wiener Gemeinderatswahl gab sich Sabine Schwarz, ÖVP-Gemeinderätin aus dem dritten Bezirk, noch offen und tolerant. Mittlerweile ist sie aber offenbar streng auf die konservative Parteilinie umgeschwenkt.

So kritisiert sie die Plakatkampagne des Vereins „Ausgesprochen: schwule, lesbische, bi & trans* Lehrer_ Innen in Österreich“: Dieser möchte in den Wiener Schulen Plakate aufhängen, die zu mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber sexuellen Minderheiten aufrufen. Dabei scheut sie auch vor falschen Behauptungen nicht zurück.

VP-Schwarz: „Alle anderen sind dagegen“ – aber wer sind „alle anderen“?

So bezeichnet sie in einer Presseaussendung die private Initiative des Vereins als „Plakatkampagne der Wiener Stadtregierung“: „Die Stadt Wien setzt sich über die Interessen der Eltern und Kinder einfach hinweg. Dieses Drüberfahren und diese Bevormundung durch die Stadt Wien gehört schleunigst abgestellt. Erziehung muss Sache der Eltern bleiben und darf nicht von der Stadtregierung vereinnahmt werden“, so Schwarz. Die Wortwahl der VP-Gemeinderätin kennt man sonst nur aus erzkonservativen Kreisen, die ihren Kindern eine umfassende Aufklärung unter fadenscheinigen Argumenten vorenthalten wollen.

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„Auch sämtliche andere Vereine und Organisationen haben sich schon bisher bezüglich dieser Aktion irritiert gezeigt und einen Stopp dieser Kampagne gefordert“, behauptet Schwarz – und nennt „sämtliche andere Vereine“ nicht beim Namen. Offenbar könnten diese eine gewisse politische Schlagseite haben, die bei einer Veröffentlichung der Liste offensichtlich würde.

Dabei zeigt sich die Widersprüchlichkeit der ÖVP: Geht es um Zuwanderer, sollen Schulen sehr wohl österreichische Werte vermitteln – bei Österreichern betont Schwarz hingegen, Schulen hätten „definitiv andere Aufgaben – nämlich die bestmögliche Ausbildung der Kinder.“

Unverständnis für VP-Kurs bei der SPÖ Wien

Dem entsprechend zeigt man auch bei der SPÖ Wien Unverständnis über die Presseaussendung von Sabine Schwarz. „Warum sich die ÖVP hier also so dermaßen querlegt, ist absolut unverständlich“, meint Heinz Vettermann, Bildungssprecher der SPÖ Wien: „Das Projekt ist von großer pädagogischer Relevanz“

Das Plakatprojekt des Vereins „Ausgesprochen“ betreibe „Aufklärung, indem es die Lebens- und Liebesrealitäten zweier Menschen des 21. Jahrhunderts darstellt. Dabei werden nicht etwa Sexualpraktiken propagiert, sondern zwei Menschen abgebildet, die sich lieben und als solches akzeptiert werden möchten“, betont der Wiener SP-Bildungssprecher.

„‚Schwul‘ darf kein Schimpfwort an den Schulen mehr sein“

Denn das ist auch an den Wiener Schulen noch keine Selbstverständlichkeit: „Ein Klassenzimmer, in dem ’schwul‘ oder ‚lesbisch‘ noch immer als Schimpfwörter verwendet werden, muss jetzt und ein für alle Mal der Vergangenheit angehören“, so Vettermann. Deshalb brauche man ein Klima der Akzeptanz und Vielfalt.

Homosexualität und Transidentität gehörten „längst zur Lebensrealität“, so der SP-Bildungssprecher. Deshalb dürften sie nicht länger ignoriert oder totgeschwiegen werden: „Viele Kinder wachsen in einer Regenbogenfamilie auf oder kennen Erwachsene, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben – das ist die Realität, die endlich zur Kenntnis genommen und akzeptiert werden muss“, so Vettermann.

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