Kroatien: Zwei Verletzte bei Angriff auf LGBT-Party in Zagreb

„Ich dachte, das ist wie in Orlando“, erinnert sich einer der Gäste der Veranstaltung

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind in der Nacht zum Samstag bei einem Angriff auf eine LGBT-Party mindestens zwei Personen verletzt worden. Es gibt noch keinen Hinweis auf die Täter.

Unbekannter stürmt Party und wirft Tränengas-Behälter in die Menge

Derzeitigen Ermittlungen zufolge hat ein Unbekannter gegen 3.30 Uhr im Disco-Bereich des „Super Super“, einem beliebten Nachtclub im Stadtviertel Trnje, einen Behälter mit Tränengas in die Menge geworfen und so eine Panik in dem Lokal verursacht. In dem Lokal fand gerade eine Party für LGBT und ihre Freunde statt.

Panisch schlugen Besucher Fensterscheiben ein, damit das Tränengas schneller aus dem Club entweichen konnte und verletzten sich dabei. Andere flohen aus einem großen Fenster im ersten Stock des verletzt, mehrere Personen wurden verletzt, als die Gäste aus dem Club stürmen wollten.

Gäste flüchteten über eine enge Treppe ins Erdgeschoß des Clubs

Ein Gast der Party schilderte der kroatischen Zeitung „24 Sata“ er sei bei der Flucht aus dem „Super Super“ auf der Treppe gefallen, daraufhin seien Menschen, die sich panisch ins Freie retten wollten, über ihn gestiegen. Zeugenberichten mussten jene Menschen, die auf der Flucht fielen, zum Teil von Securities wieder aufgehoben werden. Zwei Personen mussten ärztlich versorgt werden.

„Ich dachte, das ist wie in Orlando“, sagte einer der Besucher dem kroatischen LGBT-Portal „CroL.hr“. Die Gäste, die ins Freie flüchteten, hatten Angst, dass dort weitere Angreifer auf sie warten könnten. Dem Club machen sie Vorwürfe, weil ein Unbekannter in den Club eindringen und später fliehen konnte.

Zagreb Pride kritisiert, dass die Stimmung in Kroatien gegenüber LGBT  immer aggressiver wird

Die Organisatoren der Zagreb Pride bezeichneten den Angriff als „direktes Hassverbrechen gegen die LGBT-Community“. Man werde „den Kampf für Menschenrechte fortsetzen und nicht durch Tränengas zum Schweigen gebracht werden.“ Milan Bandić, der sozialdemokratische Bürgermeister von Zagreb, verurteilte den Anschlag auf den Nachtclub. Er betonte, dieser habe sich gegen den „Geist der Toleranz“ gerichtet, auf den Zagreb und seine Bürger stolz seien.

„In den letzten Monaten wurden wir mit der Eskalation von Hass in der Öffentlichkeit konfrontiert, angefacht von einem immer aggressiver und lauter werdenden Wortmeldungen radikal-klerikalen rechten Zirkeln – was das Gegenteil der Werte der kroatischen Verfassung ist, aber die taktische Billigung der kroatischen Regierung trifft“, so die Aktivisten der Zagreb Pride weiter.

Sie fordern deshalb von Premierminister Andrej Plenković von der nationalkonservativen HDZ, Innenminister Vlaho Orepić von der Mitte-Rechts-Partei MOST und den anderen Mitgliedern der Regierung, diese Gewalttat und andere Fälle von Hasskriminalität „gegen die Menschenrechte von LGBT-Personen“ in Kroatien laut und deutlich zu verurteilen.

Innenministerium ist zuversichtlich, den Täter bald zu finden

Das hat die Regierung in einer offiziellen Stellungnahme gemacht. „Das Innenministerium hat die Ermittlungen aufgenommen und ergreift entsprechende Maßnahmen, über welche die Öffentlichkeit informiert werden wird“, heißt es dort. Man verurteile scharf „jede Art der Gewalt und Hassrede, Diskriminierung aufgrund der Rasse, Religion und des Geschlechts im Kampf für Gleichheit, Menschenwürde und Sicherheit für alle unsere Bürger“. Man rechne damit, die noch unbekannten Täter bald zu fassen und zur Verantwortung ziehen zu können.

Doch Premierminister Andrej Plenković, der sich mit seinem Kurs an klerikal-konservative Nationalisten annähert, bleibt in der Kritik. „Politische Macht zeigt sich nicht in rhetorischen Glanzleistungen und dem Auftritt im Plenarsaal, sondern im starken Schutz derer, die ihn brauchen“, kritisierte der Sozialdemokrat Bojan Glavašević den Regierungschef.

Toleriert die Regierung einen Rechtsruck, um ihre eigene Macht zu festigen?

Dieser wolle „ein Kroatien aufbauen und führen, in dem Barette mit SS-Symbolen, Homophobie, Frauenhass und Rassismus akzeptiert werden und Angriffe auf Jugendliche und LGBT normal sind und nicht bestraft werden“ – im Gegensatz zu den europäischen Werten, so der Oppositionspolitiker.

Die Polizei hat mittlerweile ihre Ermittlungen bereits aufgenommen. Der Club hat angekündigt, seine Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Die Aktivisten der Zagreb Pride haben für heute um 18.00 Uhr am Platz der Opfer des Faschismus (Trg žrtava fašizma), wo auch die HDZ ihren Sitz hat, zu einer Kundgebung unter dem Titel „Liebe ist und bleibt stärker als Hass“ aufgerufen.