Mittwoch, 17. April 2024
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Angst vor Abschiebung: Selbstmordversuch eines schwulen Journalisten in Moskau

Chudoberdi Nurmatow schreibt unter anderem für die regierungskritische Zeitung „Novaya Gazeta“

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In Moskau hat der offen schwule Journalist und LGBT-Aktivist Chudoberdi Nurmatow einen Selbstmordversuch unternommen, weil er nach Usbekistan abgeschoben werden soll. Das berichtet das Online-Portal queer.de. In der ehemaligen Sowjetrepublik müsste er Angst um sein Leben haben, fürchtet der Journalist. Nun hat sich auch Amnesty International eingeschaltet.

Auf dem Weg in die Redaktion wurde Nurmatow von den russischen Behörden verhaftet

Nurmatow, der unter dem Pseudonym Ali Feruz für die regierungskritische russische Tageszeitung „Nowaya Gaseta“ arbeitet, wurde am Dienstag auf dem Weg in die Redaktion verhaftet. Noch am selben Tag wurde er einem Richter vorgeführt, der seine Ausweisung veranlasste.

Wie eine Polizeiquelle der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet hat, versuchte Nurmatow noch im Gerichtsgebäude, sich mit einem Kugelschreiber die Pulsadern aufzuschneiden. Saalwächter konnten das verhindern.

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Weil er kein Verräter sein wollte, musste er Usbekistan verlassen – und sitzt jetzt in Russland fest

Der Journalist ist usbekischer Staatsbürger, wuchs aber in Russland auf, seine Mutter hat die russische Staatsbürgerschaft. Als Aktivist musste er vor acht Jahren aus Usbekistan fliehen, derzeit besitzt er keinen Pass. Er war 2009 aus Usbekistan geflohen, nachdem er dort von Sicherheitsbehörden festgenommen und gefoltert wurde – weil er sich geweigert hat, ein Informant zu werden.

Seit 2011 lebt er in Russland. Sein Asylantrag wurde wiederholt abgelehnt. Auch hat ihm Russland verboten, freiwillig nach Europa auszureisen. „Wir nehmen an, dass unser Geheimdienst von den usbekischen Kollegen über Alis angebliche Zusammenarbeit mit Terroristen informiert wurde. Aber der usbekische Geheimdienst hat seine eigenen Beweggründe. […] Spezialisten des russischen Innenministeriums überprüften seine Vergangenheit. Da gibt es keine dunklen Flecken“, so die „Nowaya Gaseta“.

Bei einer Rückkehr drohen Nurmatow Folter und Ermordung

Seinen Anwälten zufolge fürchtet Nurmatow, bei seiner Rückkehr nach Usbekistan festgenommen, gefoltert und getötet zu werden. Deshalb fordert auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die russischen Behörden auf, die Abschiebung auszusetzen.

„Ali Feruz ist offen schwul, ein Menschenrechtsaktivist und ein Korrespondent der unabhängigen Zeitung ‚Nowaya Gaseta‘. Das ist eine so gut wie tödliche Kombination für jemanden, der nach Usbekistan ausgeliefert werden soll, wo ‚Unzucht‘ eine Straftat und Folter an der Tagesordnung ist“, so der zuständige Amnesty-Sprecher Denis Kriwoshejew.

Homosexualität wird in Usbekistan mit bis zu drei Jahren Haft bestraft

Das russische LGBT-Network nennt die geplante Abschiebung in einem Facebook-Posting „inhuman und absurd“: „Es ist allgemein bekannt, dass Ali Feruz gefoltert wurde, als er in Usbekistan lebte. Außerdem lebt Feruz seine Homosexualität offen. In Usbekistan stuft der Staat bis heute einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen zwei erwachsenen Männern als Verbrechen ein. Die Abschiebung von Ali Feruz nach Usbekistan wird darin enden, dass er wegen seiner Sexualität inhaftiert wird.“

Usbekistan ist neben Turkmenistan die einzige ehemalige Sowjetrepublik, in der Homosexualität noch unter Strafe steht. Bis zu drei Jahre Haft stehen auf einvernehmlichen Sex zwischen Männern. Daneben ist auch Homophobie in dem vorwiegend islamischen Land weit verbreitet. So erklärte letztes Jahr der damalige Präsident Islam Karimow, dass Schwule und Lesben geisteskrank seien.

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