Deutsche Diplomaten trafen umstrittenen Trump-Vertrauten

Diskrete Meetings mit Sam Clovis, der Homosexualität und Pädophilie als "freiwillige Entscheidung" bezeichnet

Sam Clovis
CNN

Der deutsche Botschafter soll sich regelmäßig mit einem Trump-Vertrauten getroffen haben, der unter anderem Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzte. Das berichtet der Spiegel.

Sam Clovis bezeichnet „LGBT-Verhalten“ als „Entscheidung“ – wie auch Pädophilie

Nach Recherchen des Hamburger Nachrichtenmagazins traf sich der deutsche Botschafter regelmäßig mit Sam Clovis. Clovis war zu dem Zeitpunkt Co-Vorsitzender von Trumps Wahlkampagne. Als konservativer Meinungsbildner hat er zwischen 2012 und 2014 massiv gegen sexuelle Minderheiten Stimmung gemacht haben – und LGBT-Angehörige mit Kinderschändern verglichen haben.

Wie Recherchen des Nachrichtensenders CNN ergeben haben, sagte der 67-Jährige während seiner Kandidatur für einen Senatssitz in Iowa unter anderem gegenüber potenziellen Wählern: „Soweit wir wissen, ist LGBT-Verhalten eine Entscheidung, die sie treffen“ – um dann seine Theorie weiterzuspinnen: „Wenn wir LGBT-Verhalten schützen, welche anderen Verhaltensweisen werden wir schützen? Werden wir Pädophilie schützen? Werden wir polyamoröse Ehe-Beziehungen schützen? Werden wir Leute schützen, die Fetische haben? Was ist die logische Erweiterung dazu?“

In den USA ist Sam Clovis wegen dieser Aussagen nun in der Kritik: Der ehemalige Moderator einer konservativen Radio-Talkshow soll Unterstaatssekretär für Forschung, Bildung und Wirtschaft im Landwirtschaftsministerium werden. Damit würde ihm die größte Forschungseinrichtung im Ministerium unterstehen. Dabei fehlt ihm, anders als seiner Vorgängerin Catherine Woteki, jeder wissenschaftliche Hintergrund.

Deutsche Diplomaten wollten von dem umstrittenen Netzwerker wissen, wie Donald Trump tickt

Für deutsche Behörden ist Clovis kein Unbekannter. So gab es zumindest vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten diskrete Treffen mit dem umstrittenen Politiker. Er spreche dabei in der Regel mit dem deutschen Botschafter in Washington D.C., Peter Wittig, sowie Markus Ederer, einem hochrangigen Referenten aus dem Auswärtigen Amt, hat der Spiegel bereits im Vorjahr recherchiert.

Von dem rechten Republikaner wollten die deutschen Behörden wissen, wie Trumps Aussagen im Fall eines Wahlsiegs einzuschätzen seien. Clover beruhigte die deutschen Beamten: Trump sei in erster Linie ein Geschäftsmann, der immer alles verhandeln möchte. Er selbst scheint bei seinen Ansichten diesen Verhandlungsspielraum nicht zu haben.