Zwei Väter als „Pädophile“: FP-Pressesprecher verunglimpft Sujet der Grünen

Man könne "nicht früh genug warnen", so FP-Pressesprecher Martin Glier auf Twitter

Sujet der Grünen zur NRW 2017
Die Grünen

Eine besonders geschmacklose Entgleisung hat sich FPÖ-Pressesprecher Martin Glier im aktuellen Nationalratswahlkampf geleistet: Er kommentiert auf Twitter ein Wahlsujet der Grünen, das eine männliche Regenbogenfamilie zeigt, mit den Worten „Ist das eine Werbung für Pädophile?“

Dass sich die Grünen dafür aussprechen, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen, ist kein Geheimnis. Dem entsprechend gibt es in der zweiten Plakatwelle der Partei auch ein Sujet, das zeigt, wie zwei Männer mit einem Kleinkind spielen. Dazu der Text: „Wo die Liebe hinfällt, fallen wir nicht um. Das ist grün.“

„Ist das eine Werbung für Pädophile?“, schreibt der Mann, den sein Profilbild im Kasperltheater zeigt

Bei dem Sujet handelt es sich um eine Regenbogenfamilie mit zwei Vätern, wie es sie auch in Österreich immer öfter gibt. Doch das dürfte an einigen Polit-Funktionären vorbeigegangen sein. „Ist das eine Werbung für Pädophile?“ kommentiert Martin Glier, Leiter der FPÖ-Pressestelle im Parlament, das Bild im Kurznachrichtendienst Twitter.

Martin Glier auf Twitter
Twitter/Martin Glier

Auf Twitter sorgt dieser Kommentar für Kopfschütteln. Dennis Beck, ehemaliger Obmann der Aids-Hilfe Wien, antwortet Glier mit einem kurzen „Trottel“, und fügt ein „Mal drei!“ hinzu. Hanna Herbst, Redakteurin des Online-Magazins „Vice“ erinnert mit einem Link daran, dass im Mai 2015 ein ehemaliger FPÖ-Politiker rechtskräftig verurteilt wurde, weil er seine neunjährige Enkelin missbraucht hatte. Und ein weiterer User meint: „Dass sie in diesem Bild etwas Sexuelles sehen, verrät wohl mehr über Sie als über die Grünen.“

Glier, der auf seinem Profilbild auf Twitter mit zwei Handpuppen hinter einem Kasperltheater hervorgrinst, verteidigt sein Vorgehen. „Wenn eine Partei, die für die Kinderehe eintritt, so ein Plakat präsentiert, kann man nicht früh genug warnen“, verteidigt er trotzig seinen Tweet.

„Die FPÖ steht für eine gespaltene Gesellschaft“, kommentieren die Grünen die Entgleisung

Und auch bei den Grünen sorgt der Tweet für blankes Entsetzen. „Die FPÖ steht für eine gespaltene Gesellschaft, für Neiddebatten und die Abwertung von bestimmten Menschen. Diese Politik des Hasses macht auch vor der Liebe nicht halt. Wissentlich werden hier Bilder erzeugt, die homosexuelle Personen als krankhaft stigmatisieren. Diese Politik ist gefährlich, das wissen wir aus der Vergangenheit nur allzu gut“, ärgert sich Bundesrätin Ewa Dziedzic, Bundesvorsitzende der Grünen Andersrum, gegenüber GGG.at zur Entgleisung des Freiheitlichen Pressesprechers.

Ein glückliches Händchen scheint die FPÖ mit ihren Pressesprechern übrigens nicht zu haben: So landete ein ehemaliger Pressesprecher der Wiener Freiheitlichen im Jahr 2014 vor Gericht, weil er auf Facebook Zitate aus Liedern der Waffen-SS gepostet haben soll. Vom Vorwurf der Wiederbetätigung wurde er freigesprochen. Er habe die Textstellen aus Foren abgeschrieben, ohne die Ursprünge zu kennen, verantwortete er sich damals erfolgreich.