Offen schwule US-Olympiateilnehmer gegen Mike Pence

Vizepräsident als Delegationschef des US-Teams: Heftige Kritik von Adam Rippon und Gus Kenworthy

Mike Pence
Gage Skidmore/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Heftige Kritik an der Ernennung von Vizepräsident Mike Pence zum Delegationschef des US-Teams bei den Olympischen Winterspielen in Pyeonchang kommt von den offen schwulen Teilnehmern in der Mannschaft. Sowohl der Eiskunstläufer Adam Rippon als auch Freestyle-Skifahrer Gus Kenworthy lehnen die Ernennung ab.

Grund dafür ist unter anderem die Unterstützung von Pence für „Homo-Heiler“: So hat der Politiker während seiner Kampagne für den Einzug in den US-Kongress im Jahr 2000 dafür geworben, finanzielle Mittel für Menschen zur Verfügung zu stellen, „die ihr sexuelles Verhalten ändern wollen.“

Trump-Regierung steht nicht für die Werte, die man Rippon „als Kind gelehrt hat“

Adam Rippon
Adam Rippon/Instagram

Als erstes kritisierte der 28-jährige Eiskunstläufer Adam Rippon die Entscheidung für Pence. „Sie meinen, Mike Pence – denselben Mike Pence, der in die Homo-Heilungstherapie investiert hat?“ so Rippon in einem Telefoninterview mit der Tageszeitung USA Today.

Weiter kündigte der ehemalige Juniorenweltmeister an, dass er nicht zum traditionellen Treffen der US-Olympiateilnehmer mit ihrem Delegationsleiter vor der Eröffnungsfeier erscheinen werde. Die gesamte Trump-Regierung repräsentiere nicht die Werte, „die man mich als Kind gelehrt hat“, so Rippon.

Unter Umständen wird Rippon diese Entscheidung aber abgenommen, weil die ersten Eiskunstlauf-Bewerbe schon vor der Eröffnungsfeier stattfinden. „Wenn das vor meinem Bewerb wäre, würde ich auf keinen Fall jemanden treffen, von dem ich das Gefühl habe, dass er nicht nur zeigt, dass er kein Freund von Lesben und Schwulen ist, sondern glaubt, dass sie krank seien.“

Auch Gus Kenworthy kritisiert Pence: „Anwesenheit sendet falsche Botschaft“

Gus Kenworthy
ESPN Magazine

Und nun bekommt Adam Rippon Rückendeckung vom zweiten offen schwulen Athleten im US-Team. Er denke genauso wie Rippon, so der Freestyler Gus Kenworthy. Die Anwesenheit von Pence sende „eine falsche Botschaft aus, weil wir dieses Jahr zum ersten Mal geoutete amerikanische Athleten bei den Olympischen Winterspielen dabei haben. Und dann führt einer die Delegation an, der das nicht unterstützt und auch gegen die LGBT-Community arbeitet.“, sagte der 26-Jährige gegenüber USA Today.

Im Weißen Haus versuchte man nach diesen Aussagen Schadensbegrenzung: „Die Anschuldigung ist völlig falsch und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Trotz dieser uninformierten Behauptungen wird der Vizepräsident enthusiastisch alle US-Athleten unterstützen, die sich nächsten Monat in Pyeongchang der Konkurrenz stellen“, erklärte Alyssa Farah, die Sprecherin von Mike Pence.

Vizepräsident Mike Pence gilt als einer der homophobsten Spitzenpolitiker der Vereinigten Staaten. Er gilt auch als Kopf hinter der Anordnung von Präsident Donald Trump, Trans-Personen den Zugang zu den US-Streitkräften zu verwehren. „Fragt diesen Typen nicht – er will sie alle aufhängen lassen“, scherzte Trump einmal über das Verhältnis von Pence zu Lesben und Schwulen.