Indonesien will Homosexualität wieder als Geisteskrankheit einstufen

Auch sollen gleichgeschlechtliche Handlungen künftig im ganzen Land mit Haft bestraft werden

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In Indonesien gibt es Pläne, gleichgeschlechtlichen Sex zu verbieten. In einem ersten Schritt wurde Homosexualität vom Gesundheitsministerium als „mentale Störung“ klassifiziert. Außerdem hat der Präsident des Repräsentantenhauses, Bambang Soesatyo, heute gefordert, „homosexuelle Exzesse“ zu verbieten. Gleichzeitig machte er „schwulen Lebensstil“ für Morde, die Ausbreitung von HIV und Pädophilie verantwortlich.

Bis zu eineinhalb Jahre Haft für schwulen oder lesbischen Sex?

Das Parlament des weltweit bevölkerungsreichsten muslimischen Landes beginnt demnächst mit Beratungen über eine Verschärfung des Strafrechts. Auf gleichgeschlechtlichen Sex sollen dann bis zu anderthalb Jahre Gefängnis stehen, auf Sex vor der Ehe bis zu fünf Jahre.

Personen, die bei einer „unanständigen Handlung“ mit Minderjährigen ertappt würden, könnten dann mit bis zu zwölf Jahren Haft bestraft werden. Das entsprechende Gesetz wird von allen zehn Parteien, die im Parlament sind, unterstützt. Es könnte schon in den nächsten Tagen in Kraft treten.

Das Gesundheitsministerium will Homosexualität wieder als Krankheit klassifizieren

Zusätzlich hat das Gesundheitsministerium am Freitag angekündigt, Homosexualität in einem neuen Handbuch in die Liste der psychischen Krankheiten aufzunehmen. Damit widerspricht es der Weltgesundheitsorganisation, die Homosexualität 1992 von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen hat.

Basis dafür sind dem Ministerium zufolge zwei Studien. Einen davon hat das Gesundheitsministerium gemeinsam mit dem Religionsministerium selbst herausgegeben. Darin steht, dass Homosexualität den Bräuchen und Gepflogenheiten Indonesiens widersprechen würde. Den zweiten Bericht hat der indonesische Verband der Psychiater (PDSKJI) herausgegeben. Darin steht, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle oft an Identitätskrisen litten und deshalb anfälliger für psychische Störungen seien.

Seit zwei Jahren gehen die Behörden schärfer gegen die Community vor

Homosexualität ist in dem südostasiatischen Inselstaat mit mehr als 255 Millionen prinzipiell nicht verboten. Nur in der halbautonomen Provinz Aceh, in der islamisches Recht gilt, drohen Lesben und Schwulen unter anderem Auspeitschungen.

So wurden letztes Jahr zwei Männer mit 82 Hieben durch den Rohrstock verurteilt, weil sie schwul seien und gleichgeschlechtliche Beziehungen gehabt haben sollen. Vergangene Woche wurden dort zwölf Transgender von der Polizei publikumswirksam  in Männerkleider gesteckt. Außerdem schnitt man ihnen die Haare ab.

Doch seit etwa zwei Jahren gehen die Behörden im ganzen Land verstärkt gegen die LGBT-Community vor. Im Vorjahr gab es mehrere Razzien in Saunas, Clubs und Hotelzimmern mutmaßlich schwuler Männer. In der Provinz Westjava gibt es sogar eine eigene Taskforce der Polizei, die gegen die LGBT-Community vorgeht.