Mittwoch, 29. Mai 2024
HomeSzeneSalzburgHomophober Firmunterricht? HOSI prüft Klage, Grüne beschweren sich bei Schönborn

Homophober Firmunterricht? HOSI prüft Klage, Grüne beschweren sich bei Schönborn

Homosexualität unmittelbar nach Mord als „himmelschreiende Sünde“: Scharfe Kritik am Pfarrer von Gastein

Meistgelesen

Neu auf GGG.at

Weiter für Empörung sorgt der Firmunterricht des Pfarrers von Bad Gastein. Der zuständige Pfarrer Rainer Hangler führt Homosexualität in seinen Unterlagen unmittelbar nach Mord als „himmelschreiende Sünde“ an. Nun prüft die HOSI Salzburg eine Klage gegen den Geistlichen, die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic erwartet in einem Offenen Brief eine Stellungnahme von Kardinal Schönborn zu dem Thema.

„Homosexuelle Akte“ sind gleich zu verdammen wie Sex mit Kindern oder Tieren

So werden in den Unterlagen zur Firmung „vier Sünden, die zum Himmel schreien“ erklärt. Nach dem ersten Punkt, „Vorsätzlicher Mord“, wird als zweiter Punkt „die Sünde Sodoms“ genannt: „Sodomie, Pädophilie, homosexuelle Akte“. Die beiden weiteren Sünden, die „zum Himmel schreien“ sind demnach „Unterdrückung der Armen“ und „Arbeiter um ihren Lohn bringen“.

Dass gleichgeschlechtliche Liebe in einem Atemzug mit Mord, Kinderschändung oder Sex mit Tieren genannt wird, empörte einige Eltern. Sie protestierten bei Gerhard Steinbauer, dem Bürgermeister von Bad Gastein, der seinerseits einen Brief an den Salzburger Erzbischof Franz Lackner schrieb.

- Werbung -

Dessen Antwort war wenig zufriedenstellend: Er möge den Fall doch direkt mit dem Pfarrer zu besprechen. Dieser sei dafür „theologisch qualifiziert“. Gegenüber Medien weist Hangler den Vorwurf der Homophobie von sich. Es handle sich um aktuelle Kirchenlehre, und die Unterlagen seien nur eine Diskussionsanregung. Bei ihm habe sich niemand beschwert, betont der Priester.

HOSI Salzburg prüft Klage gegen den Pfarrer wegen Verhetzung

Doch nun wird der Widerstand gegen die Unterlagen des Pfarrers größer. Die HOSI Salzburg prüft derzeit eine Klage, so Obfrau Gabriele Rothuber. „In einem Firmunterricht im Jahr 2018 Homosexualität als eine der ‚Sünden, die zum Himmel schreien‘, zu bezeichnen, ist grob fahrlässig und führt zu massivem Leiden für homo- und bisexuelle Jugendliche. Jungen Menschen zu suggerieren, Homosexualität sei gleichzusetzen mit Mord, ist schlicht inakzeptabel“, ärgert sie sich.

Denn nach wie vor seien homo- und bisexuelle Jugendliche weit höheren psychischen Belastungen ausgesetzt als ihre heterosexuellen Freunde und Freundinnen. „Hier wird Hass geschürt, wohlwissend, dass gleichgeschlechtlich empfindende Jugendliche unter den Anwesenden sein können“, so Rothuber weiter.

Und auch HOSI-Salzburg-Obmann Josef Lindner schüttelt den Kopf: „Am Vormittag erhalten die Kinder einen Workshop zu Respekt, Vielfalt und gegenseitigem Verständnis. Am Nachmittag wird im Firmunterricht in der Pfarre Gastein Hass gepredigt – wenn ich daran denke, wird mir schlecht“, meint er.

Die HOSI Salzburg will deshalb handeln: „Wir sind gerade dabei, rechtliche Schritte zu prüfen und gehen davon aus, eine Klage wegen Verhetzung einzubringen. Denn Kinder und Jugendliche müssen von derart negativen und schädigenden Botschaften geschützt werden. Die katholische Kirche darf sich hier nicht im rechtsfreien Raum bewegen“, so Lindner.

Grüne Bundesrätin Dziedzic fordert Stellungnahme von Kardinal Schönborn ein

Eine Reaktion seitens der römisch-katholischen Kirche fordert unterdessen die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic, die auch Bundessprecherin der Grünen Andersrum ist. „Homosexualität als eine der ‚Sünden, die zum Himmel schreien‘ zu bezeichnen und mit Mord gleichzusetzen, ist grob fahrlässig und verantwortungslos“, betont sie

„Die Suizidrate von trans,- und homosexuellen Jugendlichen in Österreich ist 6 Mal höher – viele leiden an Ausgrenzung und Mobbing, was oft zur tiefer Verzweiflung führt. Jungen Menschen zu suggerieren, Homosexualität sei eine schlimme Sünde, ist nicht nur inakzeptabel, sondern verstärkt dieses Leiden“, schreibt Dziedzic in einem Offenen Brief an Kardinal Christoph Schönborn.

Die entsprechenden Passagen, auf die der Pfarrer von Gastein verweist, seien „historisch zu betrachten“ und könnten „ohne Diskussion jungen Menschen nicht als ‚Wahrheit‘ präsentiert werden“, so Dziedzic weiter. Sie verlangt vom Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz „Verantwortung, dass Sie ein entsprechendes Gespräch mit der Pfarre führen und sich dafür einsetzen, dass diese destruktive Dogmatik ein Ende findet.“