Und täglich grüßt das Murmeltier

Sexuelle Bildung an Schulen – Ein Gespenst geht um

Symbolbild: Sexualerziehung
Adobe Stock

In nahezu vollendeter Regelmäßigkeit, die an die US-Komödie aus den 90ern erinnert,  geht seit Jahrzehnten zur Thematik der sexuellen Bildung an Schulen ein Aufschrei durch die Lande.

So auch derzeit wieder, da ein religiös-fundamentalistisches Gespenst Namens TeenSTAR unter dem Deckmantel einer ganzheitlichen Sexualpädagogik umgeht, welches glaubt, dieses Thema für sich und seine haarsträubenden Ideologien in Anspruch nehmen zu können. Irgendwie scheint es zudem dann auch kaum noch zu überraschen, wer und was in solchen Zeiten wie diesen an die Oberfläche kommt. Aber vor allem – ist das nicht schon lange so?

Wie wir uns im Kreis drehen

Auf den Sturm und den Aufschrei folgen zumeist – ebenfalls in einer Regelmäßigkeit – ein Schlagabtausch der verschiedenen Lager, Abwägung von Für und Wider, gegenseitige Schuldzuweisungen, Erwägung von Veränderungen und Vorschlägen zu diesen, Vorsprechen bei vermutlich zuständigen Stellen. Und wenn sich dann der Sturm etwas gelegt hat, passiert – nichts.

So läuft die Uhr Jahr um Jahr weiter, ohne dass sich irgendjemand einmal ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, wie denn nun eine angemessene, aufgeklärte, ganzheitliche, an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientierte Sexualpädagogik tatsächlich aussehen könnte. Im Gegenteil – es werden Zuständigkeiten hin und her geschoben. Vom Bund zum Land zur Schule und wieder retour.

Die lachenden Gewinner

Die Folge dieses Irrsinns ist beispielsweise, dass ein Verein wie TeenSTAR seine Lehren „vom Bewusstsein der eigenen Fruchtbarkeit, einer natürlichen Lebensplanung, Sexualität erst in der Ehe zu leben oder von Homosexualität als Verirrung auszugehen“, unbehelligt verbreiten kann.

An Schulen, die den rechtlichen Auftrag  haben, dass sich „die Sexualpädagogik am Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter sowie der Vielfalt der Lebensformen (z.B. sexuelle Orientierung, Geschlechteridentitäten) orientieren und Kompetenzen (z.B. kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeiten) vermitteln und an internationalen Menschenrechten ausgerichtet sein soll“! Wie ist es möglich, dass so eine Organisation Zutritt zu Schulen  hat? Ach ja, richtig…

Raus aus dem Teufelskreis! Aber wie?

Sexuelle Bildung ist ein fundamentaler Bestandteil in der Entwicklung von Menschen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. So fundamental sollte das Thema also auch in der Ausbildung von Lehrenden und im Schullehrplan verankert sein. Wir wissen jedoch, dass dem nicht so ist.

Nach wie vor ist es meist von engagierten Lehrkräften, vom Goodwill der Schule – oder Kursleitung, vom Budget, von Freiwilligkeit oder sonstigen Dingen abhängig, dass sexuelle Bildung überhaupt einen Platz in der Ausbildung und im Lehrplan findet.

Die zuständigen Stellen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen

Es braucht endlich eine glaubwürdige Auseinandersetzung, die von ernsthaften Veränderungsbemühungen geprägt ist. Die zuständigen Stellen in Bund und Ländern müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Dies sollte idealerweise unter Einbeziehung der verschiedenen Professionist*innen auf dem Gebiet der Sexualpädagogik in Österreich geschehen.

Es braucht eine Evaluierung, was und wen genau es braucht, um dem rechtlichen Auftrag nicht nur auf dem Papier gerecht zu werden. Es gibt diverse Organisationen, Vereine und NGOs, die bereits über Jahrzehnte hinweg großartige Arbeit auf dem Feld der Sexualpädagogik leisten. Hier gilt es, die unterschiedlichen Kompetenzen zu erheben, zu bündeln und letztlich in die Lehrpläne einzubauen. Last but not least muss Sexualpädagogik natürlich auch budgetär vernünftig mitbedacht werden.

Alle Bausteine zusammen könnten helfen, den ewigen Teufelskreis zu durchbrechen. Ansonsten grüßt dann am Abend aller Tage wieder nur das Murmeltier, und das mag niemand mehr hören!


Kathleen Schröder ist Projektleiterin der queeren Bildungsinitiativen Schule der Vielfalt und Vielfalt im Beruf der HOSI Salzburg.