Montag, 17. Juni 2024
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Betrugsverdacht: Schwules Paar in Chemnitz vor Gericht

Statt eines Hochglanzmagazins produzierten die beiden Männer vor allem Schulden

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Sie wollten im ostdeutschen Chemnitz ein Hochglanz-Magazin herausbringen – stattdessen müssen sich der 28-jährige Stefan S. und sein vier Jahre älterer Ehemann Manuel K. nun wegen schweren Betrugs vor Gericht verantworten, berichtet die Lokalzeitung Tag24. Ihnen drohen nun bis zu fünf Jahre Haft.

Schon 2013 sorgte das Paar für einen Skandal – dann ging es nach Sachsen

Es ist nicht das erste Mal, dass das Paar für negative Schlagzeilen sorgt: In ihrer alten Heimat Albstadt, einer 44.000 Einwohner zählenden Gemeinde in Baden-Württemberg, planten sie 2013 einen eigenen CSD. Doch auch hier gab es Probleme bei der Finanzierung. Künstler wie die ehemalige No-Angels-Sängerin Lucy, Ross Anthony oder die Band Culture Beat wurden um ihre Gage geprellt, eine Druckerei blieb auf 60.000 Programmheften sitzen. Manuel K. und Stefan S. tauchten schließlich unter.

Im Jahr 2015 kam das Paar schließlich mit leicht veränderten Namen nach Chemnitz: Die beiden Männer gründeten in einem noblen Bürohaus die Agentur „3 for factory“, stellten sieben Mitarbeiter ein und hatten große Pläne: Ein Hochglanz-Magazin wollten sie herausbringen, und zur Premiere sollte es eine riesige Feier geben.

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Schulden in fünfstelliger Höhe: Knast statt Kaviar

Doch statt der Prominenz der Stadt kam zunächst der Gerichtsvollzieher. Weil Technik und Möbel nicht bezahlt wurden, wurden die Büros zwangsweise leergeräumt. Danach interessierte sich die Kriminalpolizei für das Paar: Gegen die Männer lagen 15 Anzeigen vor. Insgesamt sollen Stefan S. und Manuel K. Schulden in fünfstelliger Höhe angehäuft haben. Das Hochglanzmagazin ist übrigens nie erschienen.

Das Ehepaar kam im März 2015 vorübergehend in Untersuchungshaft, doch schon bald waren die beiden Männer wieder auf freiem Fuß. Zu diversen Prozessterminen ließen sie sich nicht mehr blicken – bis im März dieses Jahres in der tschechischen Hauptstadt Prag die Handschellen klickten, das Paar wurde nach Deutschland ausgeliefert.

War das Geld wirklich im Firmentresor, wie einer der beiden Männer behauptet?

Nun mussten sie sich vor Gericht für die nicht bezahlten Rechnungen ihrer Chemnitzer Firma verantworten – und der Richter muss klären, ob es sich dabei um Betrug handelt. Denn Manuel K. behauptet: „In meinem Tresor lagen mehr als 20.000 Euro Bargeld. Davon wollte ich die offenen Rechnungen, die alle noch in der Zahlungsfrist lagen, bezahlen.“

Dann kam den Männern ihre Festnahme dazwischen. Ihre Firmenschlüssel – inklusive dem zum Tresor – wollen sie ihrer damaligen Sekretärin überlassen haben. Doch die kann sich allerdings im Zeugenstand an nichts mehr erinnern. Als die Mutter von Manuel K. einige Tage später das Büro kontrollierte, soll jedenfalls der Tresor offen gestanden und leer gewesen sein.

Keine Geldsorgen durch Callboy-Job

Die Betrugsabsichten bestreiten die beiden Männer. Manuel K. hatte als Callboy genug verdient, erklärte er vor Gericht: „Ich hatte Stammkunden in der Politik, am Bodensee, kassierte pro Nacht bis zu 750 Euro.“ Allein ein Stammkunde überwies dem Mann innerhalb von fünf Monaten rund 22.000 Euro. Das ist durch Kontoauszüge auch belegt.

Bei einer Verurteilung drohen dem Paar bis zu fünf Jahren Haft. Auf der Anklagebank sitzt übrigens auch die Mutter von Manuel K. Sie soll das Firmenkonto angemeldet und Farbpatronen im Wert von 1.400 Euro bestellt, aber nie bezahlt haben.