Jens Spahn: CDU-Parteifreunde wollten ihn zwangsouten

Der erste Einzug in den Bundestag sollte dem damals 21-Jährigen unmöglich gemacht werden

Jens Spahn
Stephan Baumann

Dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn drohte 2002 ein Outing durch eigene Parteifreunde in der CDU. Das geht aus einer aktuellen Biografie über den Politiker hervor, die Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, heute vorstellt.

Die CDU im Münsterland wollte die Ambitionen von Spahn bremsen

Der damals 21-jährige Spahn wollte demnach im Münsterland für den Bundestag kandidieren – doch dagegen gab es in der örtlichen CDU erheblichen Widerstand. Spahn bekam den Tipp, dass ihn ein Gegenkandidat bei der Vorstellungsrunde fragen würde, ob er schwul sei.

Der Jungpolitiker, der damals auch bei seinen Eltern nicht geoutet war, musste handeln. „Ich bin dann zu meinen Eltern rein und habe mich mit ihnen in die Küche gesetzt. Das war wohl das erste Mal, dass wir so richtig offen darüber gesprochen haben“, erinnert er sich in der Biografie.

Die Reaktion seiner Eltern auf das Coming Out gab ihm Kraft

„Sie waren völlig gelassen“, erinnert sich Spahn an die Reaktion seiner Eltern. Und Mutter Ulla ergänzt in dem Buch: „Wir haben dreimal Luft geholt und akzeptiert, dass die Dinge sind, wie sie sind.“ Bereits vor einigen Wochen erinnerte sich Spahn gegenüber der Illustrierten Gala über die Einstellung seiner Eltern: „Sie haben mir und meinen Geschwistern in allen Fragen – bei mir auch hinsichtlich des Schwulseins – zu verstehen gegeben: Wir stehen zu euch“

Letztendlich wurde Spahn von seinen Parteifreunden nicht geoutet – dafür wurde er überraschend zum Kandidaten gekürt und schaffte mit 48,2 Prozent der Erststimmen auch den Sprung in den Bundestag über ein Direktmandat.

Gemeinsam mit seinem Mann hört er zum Frühstück Schlager von Rex Gildo

Zu Wort kommt auch Spahns Ehemann Daniel Funke. Der Politiker und der Journalist, der das Berliner Büro der Illustrierten Bunte leitet, haben sich im Frühling 2013 kennengelernt. „Ich glaube zwar nicht an Liebe auf den ersten Blick, aber mir war schon klar, dass das Potenzial hatte“, so Funke in dem Buch.

Verbunden hat die beiden Männer der Schlager: „Spät am Abend haben wir gemeinsam Roger Whittaker gehört“, erinnert sich der Journalist. Und das bleibt bis heute so: „Das ist für uns ein Gute-Laune-Bringer. Rex Gildo zum Frühstück? Finden manche Leute komisch, ist aber unser Ding“, verrät Funke.