Sonntag, 14. April 2024
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Tschetschenien jagt wieder Schwule und Lesben

Zwei der Verschleppten sollen zu Tode gefoltert worden sein...

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Die Hetzjagd auf sexuelle Minderheiten in Tschetschenien geht weiter: Wie die unabhängige russische Tageszeitung Nowaja Gaseta am Montag berichtet hat, werden seit Dezember wieder Männer und Frauen festgenommen, weil sie homosexuell sein sollen.

Damit bestätigt die Zeitung durch ihre Recherchen einen schlimmen Verdacht, den russische LGBT-Aktivisten am Freitag öffentlich geäußert haben. „In Tschetschenien sind weitverbreitete Festnahmen, Folterungen und Tötungen von Homosexuellen wieder aufgenommen worden“, so Igor Kochetkov, Sprecher des russischen LGBT-Network, einem Dachverband.

Seit Dezember sollen bereits 40 Personen verschleppt worden sein

Demnach sollen bereits 40 Personen von den Milizen des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow verschleppt worden sein, zwei von ihnen haben die Folter nicht überlebt. Die Hetzjagd soll bereits Ende 2018 wieder begonnen haben, nachdem der Administrator einer LGBT-Gruppe im russischen Facebook-Klon „VKontakte“ festgenommen wurde. Danach folgten Festnahmen von Personen, die tschetschenische Behörden in den Handy-Kontakten des Administrators fanden.

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Carl Schreck, Korrespondent von „Radio Free Europe/Radio Liberty“, erklärte letzte Woche auf Twitter, dass die erneute Verfolgung in Zusammenhang mit der Aufforderung der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OSZE) erfolgt, die Säuberungsaktionen in Tschetschenien zu untersuchen.

„Die Verfolgung von Männern und Frauen, die verdächtigt werden, homosexuell zu sein, hat niemals aufgehört“

„Die Verfolgung von Männern und Frauen, die verdächtigt werden, homosexuell zu sein, hat niemals aufgehört. Nur das Ausmaß hat sich verändert. Die örtliche Polizei unternimmt alle Anstrengungen, um zu verhindern, dass die Opfer in Zukunft die Region verlassen oder sich an Gerichte wenden“, berichtet Koschetkow: „Sie nehmen Dokumente weg, drohen den Opfern mit Strafverfahren gegen sie oder nahestehende Personen und zwingen sie, leere Formulare zu unterschreiben“.

Es wird angenommen, dass sich die Männer und Frauen in derselben Einrichtung befinden, in denen bereits 2017 mutmaßlich schwule Männer gefoltert wurden: Einem ehemaligen Militärgebäude in Argun, östlich der Hauptstadt Grosny. Damals hatte die Nowaja Gaseta erstmals über die Verfolgungen berichtet. Mehr als hundert Männer wurden damals festgenommen, gefoltert und zum Teil getötet oder ihren Familien übergeben, um die „Familienehre“ wiederherzustellen.

Auch diesmal bestreiten die tschetschenischen Behörden alle Vorwürfe – genauso wie 2017. Damals hat Präsident Kadyrow sogar behauptet, es gebe in Tschetschenien gar keine Homosexuellen. Die Ermittlungen der russischen Behörden verliefen damals im Sand. Dafür wurden die Vorwürfe vor wenigen Wochen durch einen Bericht der OSZE bestätigt.

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