Warschau: Schwuler TV-Star verprügelt, 14-Jähriger im Park angegriffen

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl: “So sieht Freiheit in unserem Land aus”

Jacek Szawioła
Jacek Szawioła/Instagram

In der polnischen Hauptstadt Warschau ist der bekannte Friseur und TV-Star Jacek Szawioła verprügelt worden, weil er schwul ist. Auf Instagram machte er den Vorfall öffentlich. Und es war nicht der einzige homophobe Angriff, den es an diesem Wochenende in Warschau gab 

Die Warschauer Polizei hat den Übergriff auf Szawioła mittlerweile bestätigt. Szawioła wurde demnach am Freitag im Treppenhaus seines Wohnhauses zusammengeschlagen, erklärte Piotr Świstak von der Presseabteilung des Warschauer Polizeipräsidiums dem Sender TVN. Man ermittle und werde versuchen, den Täter zu finden. 

Szawioła zufolge wurde der Vorfall von Sicherheitskameras aufgezeichnet, es gebe auch schon einen Verdächtigen. Die TV-Persönlichkeit lobt gegenüber der Presse ausdrücklich die Hilfsbereitschaft der Polizei – während sich die herbeigerufenen Rettungskräfte offenbar weigerten, sein Nasenbluten zu behandeln. 

Ebenfalls am Freitag wurde im Prager Park eine Gruppe von Teenagern homophob angegriffen. Das berichtet das Portal gazeta.pl. Sie wurden von einer Gruppe älterer Jugendlicher angegriffen, weil einige von ihnen bunt gekleidet waren. “Die Polizei hat es abgelehnt, die Anzeige aufzunehmen”, klagt die Mutter eines 14-Jährigen an, der in den Rücken getreten und ins Gesicht geschlagen wurde. 

“So sieht Freiheit in unserem Land aus”, saget Szawioła am Samstag einem ersten Instagram-Video, in einem zweiten Video spricht er am nächsten Tag über seine Verletzungen: “Mein Gesicht ist immer noch geschwollen, aber mein Mund ist aufgeplatzt und meine Nase krummer als gewöhnlich”, sagt der TV-Star und zeigte Blutflecken am Eingang seiner Wohnung. 

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Die meisten Kommentare unter dem Video solidarisieren sich mit Szawioła. Viele machen auch die LGBTI-feindliche Stimmung, die von der Kirche und der rechtskonservativen Regierungspartei “Recht und Gerechtigkeit” (PiS) geschürt wird, für den Angriff mitverantwortlich. 

Doch einige Kommentare behaupten auch, dass Szawioła die Prügel provoziert habe – das weist der Friseur deutlich zurück: “Bevor ihr schreibt, dass mein Rock zu kurz war, ich etwas Falsches gesagt habe oder ich mich nicht zur Schau stellen sollte, sage ich: Scheiß drauf! Gewalt ist immer Gewalt. Und niemand hat es verdient”, macht er klar. Er habe das Hassverbrechen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, so der Friseur weiter.  

Jacek Szawioła ist in Polen mit seinem Ex-Freund Mariusz Kozak in der Sendung “Gogglebox” zu sehen, die beim Privatsender TTV läuft. Dabei kommentieren Protagonisten verschiedene Unterhaltungsprogramme. Dass dies ein offen schwules Paar macht, ist im polnischen Fernsehen durchaus ungewöhnlich. 

Außerdem ist er als Friseur tätig – zu seinen ehemaligen Kunden gehört der polnische Präsident Andrzej Duda, der mit einer extrem homophoben Kampagne nächste Woche wiedergewählt werden möchte.