Zwei Jahre bedingte Haft für „schwulen Krypto-Nazi“

Landesgericht für Strafsachen Wien
Sebastian Baryli/Flickr - CC BY 2.0

Zu zwei Jahren bedingter Haft wegen Wiederbetätigung ist in Wien ein schwuler „Krypto-Nazi“ verurteilt worden, berichtet der Standard. Der 47-Jährige soll vor fünf Jahre in die Neonazi-Szene „abgeglitten“ sein – inklusive einschlägiger Tattoos. 

Als Schwuler sei der Angeklagte „eher das harmlosere Ende“ der Kategorie Neonazi, so der Anwalt

Dass der 47-Jährige „eher das harmlosere Ende der Täterkategorie Neonazi“ darstelle, will Verteidiger Werner Tomanek durch die sexuelle Orientierung des Angeklagten beweisen: Dieser sei nämlich homosexuell, und diese Orientierung sei ja von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Viel könne sich sein Mandant also nicht gedacht haben, so die Schlussfolgerung des Juristen.

Allerdings: Nationalsozialistisch wiederbetätigt hat sich der 47-Jährige trotzdem mehrmals, wie Staatsanwältin Bettine Sommer vor Gericht darlegt. Zum Beispiel durch seine E-Mail-Adressen. Diese begannen mit „14sh88@…“ und „18sh88@…“: Bei der zweiten Adresse stehen die Zahlen für Buchstaben im Alphabet – also für „Adolf Hitler, Sieg Heil und Heil Hitler“.

Bei der ersten Adresse steht die Zahl 14 für die „Fourteen Words“, eine Art rassistisches Glaubensbekenntnis, das ursprünglich von US-Neonazis entwickelt wurde. „We must secure the existence of our people and a future for white children“, lautet dieses Bekenntnis – und es bietet Tomanek eine weitere Gelegenheit, die Taten seines Mandanten zu relativieren: „Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht die Amtssprache des Nationalsozialismus ist“, erklärt er den Geschworenen.

Von der Hitler-Büste bis zum SS-Tattoo: Volles Programm bei dem 47-Jährigen

Auch sonst fanden die Beamten bei der Hausdurchsuchung des Bankangestellten 76 NS-Devotionalien – vom Orden bis zur Hitler-Büste. Auch der Körper des 47-Jährigen selbst war nicht frei davon. Sechs Tattoos, darunter Truppenabzeichen von Waffen-SS-Divisionen oder das Motto „Blut, Ehre, Treue“ sind der zweifelhafte Körperschmuck des Endvierzigers. Und als dem Österreich-Chef der als rechtsextrem eingestuften Identitären die Konten gekündigt wurden, bot ihm der 47-jährige Bankangestellte an, seine neue Bankverbindung einzurichten.

Der Anwalt des 47-Jährigen betont, dass sich dieser nie propagandistisch betätigt habe. „Ich habe mit seinem Lebensgefährten gesprochen, dem ist es auf die Nerven gegangen“, so Tomanek: „Er ist eher ein Krypto-Nazi, würde ich sagen.“

Der Angeklagte kann sich seine Taten nicht erklären, ist aber geständig

Der Angeklagte war in allen Punkten geständig – eine Begründung für seine Taten kann er dem Gericht nicht geben. „Es hat 2015 mit der Flüchtlingskrise begonnen, dann habe ich im Internet immer mehr gelesen“, sagt er vor Gericht – das den Sprung von der Flüchtlingskrise zur Hitlerbüste allerdings nicht ganz nachvollziehen kann. 

Auch die Geschworenen sprachen den Angeklagten in allen Punkten schuldig. Er wurde zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt, das Urteil ist rechtskräftig. Seine Nazi-Tattoos lässt sich der 47-Jährige übrigens bereits seit einem Jahr weglasern – bis sie ganz verschwunden sind, wird wohl noch ein weiteres Jahr vergangen sein.